„Man kann die Risiken managen“

Die Mutterschaftsvorsorge ist für jede Schwangere wichtig. (Foto: mmphoto / Fotolia)
Die Mutterschaftsvorsorge ist für jede Schwangere wichtig. (Foto: mmphoto / Fotolia)

Wer älter als 35 Jahre ist und zum ersten Mal ein Baby erwartet, gilt als Risikoschwangere

(dbp/nas) Die Zahl der „späten Mütter“ wächst. Inzwischen ist bei jeder vierten Geburt in Deutschland die Frau älter als 35 Jahre und gilt damit, wenn es ihr erstes Kind ist, automatisch als Risikoschwangere. Das sei aber an sich kein Grund zur Sorge, betont Privatdozent Dr. Matthias Kalder von der Frauenklinik des Marburger Uniklinikums. Sein Rat an alle Schwangeren: Sich so wenig wie möglich mit Sorgen zu belasten und die Mutterschaftsvorsorge ernst zu nehmen.

Im höheren Alter bedeutet eine Schwangerschaft zwar eine höhere Belastung und auch die Risiken für Mutter und Kind steigen mit dem Alter. Weil man das weiß, ist es aber auch möglich, etwas zu tun. „Man kann die Risiken managen“, erklärt Dr. Kalder. Unverzichtbar dafür sei die Wahrnehmung der gesetzlich vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen.

Risiken rechtzeitig erkennen und minimieren

„Die Mutterschaftsvorsorge in Deutschland ist umfassend“, sagt der Frauenarzt. Mit regelmäßigen Check-ups und Untersuchungen lassen sich eine Reihe von potenziellen Risiken erkennen und eventuelle Probleme dann minimieren, so Dr. Kalder. Das gilt für alle werdenden Mütter, aber natürlich besonders für die, deren Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Dazu werden auch minderjährige Schwangere gezählt sowie Frauen, die Mehrlinge erwarten oder bei denen es in früheren Schwangerschaften schon einmal Probleme gab.

Das Alter ist nur ein Risikofaktor von vielen

„Das Alter einer Schwangeren ist nur ein Risikofaktor von vielen“, machen auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und der Berufsverband der Frauenärzte den Frauen Mut. Wer gesund in seine Schwangerschaft starte und sich entsprechend verhalte, der habe über 35 genauso gute Aussichten auf ein gesundes Baby wie jüngere Frauen auch.

Dennoch zeigt die Statistik, dass das relative Risiko zum Beispiel für einen Kaiserschnitt, für Frühgeburten, vorwiegend chromosomale Fehlbildungen des Kindes, einen Fruchttod oder ein geringes Geburtsgewicht mit dem Alter der Mutter ansteigt. Auch Schwangerschaftsdiabetes, Thromboseneigung und Präeklampsie (eine Erkrankung mit Bluthochdruck, Ödemen und einer vermehrten Eiweißausscheidung im Urin) kommen statistisch häufiger vor. Wichtig zu wissen: Bei einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 darf die Schwangere weniger zunehmen und sollte sich mehr bewegen.

Die Mutterschaftsvorsorge ernst nehmen

Zur Mutterschaftsvorsorge gehören unter anderem Zuckerbelastungstests, die Kontrolle von Blutdruck, Urinwerten und der mütterlichen Gewichtszunahme, damit bei einer Präeklampsie oder einer Schwangerschaftsdiabetes rasch eingegriffen werden kann. Das Wachstum des Babys wird mit Hilfe von Ultraschall überwacht, mit dem auch Fehlbildungen und ein Risiko für eine Frühgeburt entdeckt werden können. Wehenaufzeichnungen und Tastuntersuchungen gehören ebenfalls zum Prozedere, um eine drohende Frühgeburt zu erkennen. Eine leicht anwendbare Therapie gegen die Frühgeburtlichkeit stellen zum Beispiel Arabin-Pessare dar, die verhindern sollen, dass sich der Muttermund zu früh öffnet. Der regelmäßige Kontakt mit dem Frauenarzt und der Hebamme kann wertvolle Hinweise liefern, ob Komplikationen drohen.