Männliche Sexualität ist fragiler als man denkt

Nach einer Prostataoperation sind gewohnte Sexualpraktiken oft nicht mehr ohne Weiteres möglich. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Nach einer Prostataoperation sind gewohnte Sexualpraktiken oft nicht mehr ohne Weiteres möglich. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Selbst nervschonende Prostata-Operation kann Impotenz zur Folge haben

(dbp/auh) Wenn die Prostata aufgrund eines Tumors entfernt werden muss, wird in den allermeisten Fällen die Erektionsfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Wie stark die Potenz gestört sein wird, kann vor dem Eingriff nicht genau prognostiziert werden. Das hängt von zahlreichen Faktoren ab, die nicht alle vom Operateur beeinflusst werden können.

Fragiles Innenleben

Was hat denn die Erektion überhaupt mit der Prostata zu tun? Viele Männer sind erstaunt, wenn sie erfahren, wie fragil und komplex die Abläufe in ihrem Inneren sind. Für die Gliedversteifung sind nicht nur die Schwellkörper im Penis verantwortlich. Dicht an beiden Seiten der Prostata verläuft jeweils ein Bündel von Nerven und Blutgefäßen, das im Penis mündet. Diese Stränge sorgen unter anderem dafür, dass die für eine Erektion notwendige, vermehrte Blutzufuhr in die Schwellkörper gewährleistet wird.

Je nach Lage, Größe und Ausbreitung des Prostatakarzinoms kann eine Entfernung dieses Nerven-Gefäß-Bündels an einer oder an beiden Seiten der Prostata notwendig sein. Selbst eine vergleichsweise leichte Verletzung der Erektionsnerven könne impotent machen, so der Krebsinformationsdienst. Das Risiko für eine dauerhafte Impotenz betrage insgesamt etwa 20 bis 30 Prozent. Auch eine die Nerven erhaltende Operation sei keine Garantie für die Wiedererlangung der gewohnten Erektionsstärke. Sie erhöht aber natürlich die Chance für die Erhaltung der Potenz.

Keine Spermien

Anders sieht es mit der Zeugungsfähigkeit aus. Die ist in der Regel unwiederbringlich verloren. Bei einer radikalen Prostataoperation werden nämlich auch die beiden Samenblasen entfernt, in denen der größte Teil des Spermas produziert wird. Bei Kinderwunsch sollten sich die Patienten vor der Krebsbehandlung über Möglichkeiten der Spermiengewinnung informieren. Die Samenzellen können vor der Therapie eingefroren oder eventuell danach operativ aus dem Hoden entnommen werden. „Ob damit eine Schwangerschaft erzielt werden kann, lässt sich nur schwer voraussagen“, gibt der Krebsinformationsdienst zu bedenken.

Eine eingeschränkte Erektionsfähigkeit muss übrigens kein Hinderungsgrund sein für ein befriedigendes sexuelles Erleben. „Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind Erektion, Orgasmus und Ejakulation drei verschiedene körperliche Vorgänge, die nicht zwangsläufig gemeinsam ablaufen“, erklärt die Broschüre „Männliche Sexualität und Krebs“, die beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erhältlich ist.

Möglichkeiten der Reha nutzen

Die Nerven, die eine Stimulation des Penis ermöglichen, bleiben auch nach der Operation intakt. Das körperliche Lustempfinden ist also prinzipiell nicht beeinträchtigt. Bei einem Orgasmus fehlt lediglich der Samenerguss, es kommt zu einer „trockenen Ejakulation“. Darüber hinaus gibt es verschiedene Hilfsmittel, über die sich Patienten zum Beispiel in der Reha oder Anschlussheilbehandlung informieren können.

Die Möglichkeiten der Rehabilitation sollten nicht ungenutzt bleiben, auch wenn der Patient sich rasch wieder erholt. Viele Männer unterschätzen die körperliche und psychische Belastung, der sie durch ihre Krebserkrankung ausgesetzt sind. Ansprechpartner finden Betroffene auch beim Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) unter www.prostatakrebs-bps.de, der eine gebührenfreie Telefonberatung anbietet.