Lautlose Gefahr Thrombose

Medizinische Kompressionsstrümpfe müssen perfekt sitzen. (Foto: klick61 / Fotolia)
Medizinische Kompressionsstrümpfe müssen perfekt sitzen. (Foto: klick61 / Fotolia)

Was ist eigentlich eine Thrombose und wer ist besonders gefährdet?

(dbp/auh) Beim Stichwort Thrombose denken die meisten Menschen zuerst an die gleichnamigen Strümpfe. Sie gehören zur Standardtherapie am Beginn einer Thrombosebehandlung, dienen aber auch der Vorbeugung, zum Beispiel bei Bettlägerigkeit oder in der Schwangerschaft.

Kompressionsstrümpfe bewirken ein Zusammenpressen der Venen. Dadurch wird der Venenquerschnitt reduziert, die Venenklappenfunktion verbessert und der venöse Rückstrom beschleunigt. Das Blut wird effektiv in Richtung Herz gepumpt und kann keine Klümpchen bilden. Genau das ist nämlich eine Thrombose: geronnenes Blut, das einen Pfropfen (griechisch: Thrombus) bildet.

Blutpfropf kann bis in die Lunge wandern

Außerhalb des Körpers ist das eine äußerst wünschenswerte Reaktion des Blutes. Würde es nicht gerinnen (verklumpen), wäre jede kleine Schnittwunde eine tödliche Gefahr. Passiert das jedoch innerhalb einer Vene oder Arterie, so kann sich das Blutgefäß verschließen. Besonders gefährlich ist ein solcher Thrombus in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Löst sich nämlich dort ein Teil des Gerinnsels ab, so kann es mit dem Blut über das Herz in die Lunge gelangen und eine Lungenembolie verursachen.

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) erläutert: Eine Lungenembolie ist umso gefährlicher, je größer das verschleppte Gerinnsel ist. In Deutschland sterben nach Angaben der DGA jährlich etwa 100.000 Menschen an den Folgen einer Lungenembolie, deren häufigste Ursache wiederum eine Thrombose ist (www.risiko-thrombose.de).

Thrombose-Symptome fehlen manchmal ganz

Wie macht sich eine Thrombose bemerkbar? Es gibt ganz bestimmte Warnsignale, die auf jeden Fall Anlass für einen Arztbesuch sein sollten. Dazu zählen Schwellungen am Fußknöchel, am Unterschenkel oder am ganzen Bein mit Spannungsgefühl, Schmerz in der Wade beim Auftreten, Überwärmung des geschwollenen Beins sowie Blauverfärbungen der Haut am herabhängenden Bein. „Jede neu aufgetretene Beschwerde in einem der beiden Beine kann auch ohne äußere Veränderungen auf eine Thrombose hindeuten“, warnt die DGA. Allerdings: Diese Symptome fehlen manchmal völlig, insbesondere bei bettlägerigen Patienten, die zu den Risikogruppen gehören. Die Thrombose wird von Medizinern deshalb auch als „lautlose Gefahr“ bezeichnet.

Welche weiteren Risikofaktoren gibt es neben der Bettlägerigkeit? Ein erhöhtes Risiko besteht nach einer Operation, bei einer Krebserkrankung, wenn eine Thromboseneigung ererbt wurde, bei der Einnahme von nicht-körperidentischen Hormonen (Pille, Medikamente in den Wechseljahren), bei schwerer Allgemeinerkrankung mit Entzündung und Fieber, wenn sich eine chronische Atemwegserkrankung verschlimmert sowie bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

Bei Schwangeren ist nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Internisten (www.internisten-im-netz.de) das Thromboserisiko um etwa das Sechsfache höher als bei Nichtschwangeren. Ein Grund: Die Venenwände werden durch die hormonellen Veränderungen elastischer und weiten sich.

Auch das Alter ist ein eigenständiges Risiko, denn mit den Jahren nimmt die Elastizität der Venen nimmt ab und die Häufigkeit von Gefäßschäden nimmt zu. „Besonders kritisch wird die Situation, wenn gleichzeitig mehrere Risikofaktoren zusammen kommen“, warnen die Experten.