La dolce Vita – aber bitte ohne Sahne

Herzgesunde Ernährung hat einen hohen Anteil an pflanzlicher Nahrung. (Foto: TrudiDesign / Fotolia)
Herzgesunde Ernährung hat einen hohen Anteil an pflanzlicher Nahrung. (Foto: TrudiDesign / Fotolia)

Die traditionelle Mittelmeerküche scheint die ideale Kost fürs Herz zu sein

(dbp/auh) Schlemmen wie im Urlaub, dabei Gewicht reduzieren, Herz und Kreislauf stärken und länger leben? Keine Utopie, sondern die Einschätzung eines der führenden deutschen Kardiologen zur traditionellen Mittelmeerküche. Professor Helmut Gohlke ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung und Spezialist für die Prävention von Herzkrankheiten.

Der Experte kommt nach der Analyse zahlreicher internationaler Studien zu dem Schluss, „dass ein gesünderes und verlängertes Leben durch eine mediterrane Ernährung kein Traum ist, sondern Wirklichkeit werden kann – wenn man diese Chance wahrnehmen will.“ (Sonderdruck Nr. 38 der Deutschen Herzstiftung aus dem Jahr 2013).

Mehr als Pizza und Pasta

In der Publikation stellt Professor Gohlke klar, dass mit „mediterraner Ernährung“ nicht das gemeint ist, was es heutzutage in Pizza-Pasta-Restaurants gibt. Auch gegrillter Fisch mit „drei Bohnen oder fünf Spinatblättern“ sei weit entfernt von der Mittelmeerküche, wie sie seit Jahrhunderten gekocht wird. „Im Lauf der Globalisierung ist von dieser Tradition viel verloren gegangen.“

Charakteristisch für die herzgesunde Ernährung sind laut Gohlke folgende Komponenten: In erster Linie der hohe Anteil an pflanzlicher Nahrung, also viele verschiedene Gemüsesorten, Salat, Hülsenfrüchte und frisches Obst. An zweiter Stelle nennt der Professor Vollkornprodukte. Auch die Verwendung von Pflanzenölen (Oliven- oder Rapsöl) statt tierischer Fette wirke sich positiv aus; ebenso wie viel Fisch statt Fleisch und frische Kräuter (Petersilie, Basilikum, Thymian, Rosmarin) statt Salz. Bei Milchprodukten wird den besser haltbaren Sauermilcherzeugnissen der Vorzug gegeben (Joghurt statt Sahne).

Keine Soßen, knackiges Gemüse

Auf den ersten Blick unterschieden sich diese Nahrungsbestandteile nicht von denen in der modernen deutschen Küche. Die wesentlichen Unterschiede erkennt man erst bei der Gewichtung, der Zubereitung und der Zusammenstellung der Lebensmittel. So werden Kohlenhydrate (Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Nudeln, Reis) in der traditionellen Mittelmeerküche niemals in Sahne- oder anderen schweren Soßen ertränkt. Fertiggerichte, Tiefkühlpizzas oder panierte und frittierte Schnitzel kommen überhaupt nicht auf den Tisch (leider ist das in der Realität heute ganz anders).

Das Gemüse ist immer frisch, wird meist in Pflanzenölen geschwenkt statt in Wasser gekocht und behält so alle wertvollen Vitamine. Zwischenmahlzeiten fehlen völlig, als kleine Snacks gibt es Obst, Nüsse oder Kürbiskerne.

Mehr Vitamine und ungesättigte Fette

Unterm Strich ergeben sich eine wesentlich höhere Zufuhr an Vitaminen und anderen Antioxidantien (entzündungshemmend wirkenden Stoffen) und vor allem ein ganz anderes Fettsäuremuster als in der üblichen Ernährungsform. Der Fettgehalt insgesamt ist zwar mit dem hierzulande vergleichbar, aber der Anteil einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren ist in der Mittelmeerkost wesentlich höher als hierzulande.

Die mediterrane Küche eignet sich nicht nur zur Prävention von Herz- und Gefäßkrankheiten, sie wird auch Herzpatienten empfohlen. Ein Kochbuch mit mehr als hundert Rezepten aus der traditionellen Mittelmeerküche, medizinischen Hintergründen und praktischen Einkaufstipps ist bei der Deutschen Herzstiftung unter www.herzstiftung.de kostenpflichtig erhältlich.