Kurzsichtigkeit verbreitet sich epidemisch

Viele Kinder sind heutzutage kurzsichtig. Eine Brille ist also ganz normal. (Foto: Monkey Business / Fotolia)
Viele Kinder sind heutzutage kurzsichtig. Eine Brille ist also ganz normal. (Foto: Monkey Business / Fotolia)

Ursache für die weltweite Zunahme der Myopie ist das ständige Nahsehen

(dbp/auh) Steigender Wohlstand, Bildungseifer und besonders die Computerisierung der Arbeits- und Freizeitwelt haben auch ihre Schattenseiten. Sie führen nämlich offenbar auf der ganzen Welt zu Wachstum – und Wachstum kann die Gesundheit nachhaltig schädigen. Gemeint ist das Längenwachstum des Auges, das durch ständiges Nahsehen gefördert wird. Die Folge: Kurzsichtigkeit (Myopie).

Die Myopie bei Kindern und jungen Erwachsenen breitet sich epidemisch auf der ganzen Welt aus. Sehr deutlich ist diese Entwicklung in den wirtschaftlich boomenden asiatischen Ländern. Untersuchungen aus China, Südkorea und Taiwan zeigen, dass nur noch eine kleine Minderheit der Jugendlichen nicht kurzsichtig ist. Für China gilt: Je ärmer die Gegend, desto besser die Augengesundheit der Kinder.

Kinder sind zu selten im Freien

Das Kuratorium Gutes Sehen (KGS) erläutert: „Weltweit verbringen Kinder heute viel mehr Zeit vor elektronischen Geräten als im Freien. Der kurze Abstand zum Monitor und das fehlende natürliche Licht sind wesentliche Faktoren für die Ausprägung einer Kurzsichtigkeit.“

Das gilt natürlich auch für andere Tätigkeiten, bei denen Nahsehen erforderlich ist, zum Beispiel Nähen, bestimmte handwerkliche Tätigkeiten oder Lesen. Das Klischee vom Bücherwurm, der ohne Brille gar nicht vorstellbar ist, hat also einen wahren Kern. Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) rät allerdings nicht generell vom Lesen ab. Eltern sollten aber darauf achten, dass ihre Kinder nicht nächtelang heimlich unter der Bettdecke lesen. Auch das pausenlose Starren auf den Handy- oder PC-Bildschirm beim Spielen und Chatten löst einen überschießenden Wachstumsreiz auf das kindliche Auge aus.

Das kindliche Auge wächst

Eigentlich ist es ganz normal, dass das kindliche Auge wächst. Denn der Mensch kommt mit einem etwas zu kurzen Auge auf die Welt. Die bei der Geburt meist vorhandene Weitsichtigkeit von etwa vier Dioptrien wächst sich aber buchstäblich aus. Irgendwann erreicht der Augapfel die für Normalsichtigkeit optimale Endgröße – im Idealfall.

Damit dieser natürliche Prozess nicht gestört wird, rät das KGS: Regelmäßig raus ins Freie! Warum helles Licht vor Kurzsichtigkeit schützt, ist noch nicht gänzlich geklärt. Wahrscheinlich spielen physiologische Vorgänge eine entscheidende Rolle, etwa die körpereigene Produktion von Dopamin. Diese Erkenntnis können sich auch erwachsene „Naharbeiter“ zunutze machen. Wer in der Mittagspause einen Spaziergang macht (und dabei nicht auf sein Smartphone guckt!), entlastet seine Augen.

Eltern sollten ihren Kindern ein Vorbild sein und die Nutzung elektronischer Geräte in Grenzen halten. Es ist nur wenig glaubwürdig, wenn die Kinder zum Spielen im Freien aufgefordert werden, während die Erwachsenen den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen. „Viel Sport an der frischen Luft und Wochenendausflüge ins Grüne sind leicht umsetzbare Präventionsmaßnahmen gegen Kurzsichtigkeit“, so das KGS.

Laut Berufsverband der Augenärzte haben hierzulande etwa 20 Prozent aller Kinder Sehfehler, die noch nicht erkannt wurden. Das beeinträchtigt nicht nur die schulischen Leistungen und das Sozialleben, sondern kann auch gefährlich werden, wenn kurzsichtige Schulkinder ohne Sehhilfe am Straßenverkehr teilnehmen. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt oder bei einem spezialisierten Optiker sorgen für Sicherheit.