Kur nicht genehmigt? Widerspruch einlegen!

Das Staatsbad Pyrmont in Niedersachsen gehört zu den rund 370 anerkannten Kurorten in Deutschland. (Foto: BildPix.de / Fotolia)
Das Staatsbad Pyrmont in Niedersachsen gehört zu den rund 370 anerkannten Kurorten in Deutschland. (Foto: BildPix.de / Fotolia)

Immer weniger Versicherte kommen in den Genuss der „ambulanten Vorsorgeleistung“

(dbp/auh) „Ich fahre zur Kur“ – diesen Satz hört man eher selten. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bezeichnung „Kur“ im Jahr 2000 aus den Gesetzestexten entfernt wurde. Die Zahl der „ambulanten Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten“, wie Kuren seither heißen, ist nach Angaben des Deutschen Heilbäder-Verbandes tatsächlich stark gesunken.

Woran liegt’s? Sowohl die Zahl der Genehmigungen als auch die Zahl der Anträge sinkt – und das bereits seit den 1980er Jahren, wie die Gesundheitswissenschaftlerin Ramona Körber erforscht hat: Die mehrstufige Gesundheitsreform, im Kern ein restriktives Kostendämpfungsinstrument, habe zu erheblichen Einbrüchen der Nachfrage im Kur- und Bäderwesen geführt. Bereits durch das Gesundheitsreformgesetz von 1988 sei die Zahl der „offenen Badekuren“, wie sie damals noch hießen, um fast 50 Prozent zurückgegangen. Die verschiedenen „Kurkrisen“, wie Ramona Körber die Auswirkungen der Gesundheitsreform nennt, führten nicht nur zu immer weniger Genehmigungen, sondern hatten auch abschreckende Wirkung: Die Versicherten stellten ein Viertel weniger Anträge – aus Sorge um den Arbeitsplatz und wegen der hohen Zuzahlungen, konstatiert die Expertin.

Heilbäder-Verband kritisiert die Krankenkassen

Für Ernst Hinsken, Präsident des Deutschen Heilbäder-Verbandes (DHV), ist die Situation nicht hinnehmbar. Er kritisiert vor allem, dass die gesetzlichen Kassen aus seiner Sicht an der falschen Stelle sparen, nämlich bei der Gesundheitsvorsorge. Im Jahr 2012 sei bei gestiegenen Gesamtausgaben die Investitionssumme für Prävention im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das zeige, „wie wenig den Krankenkassen die Prävention am Herzen liegt“, beklagt Hinsken.

Sein Kollege Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes (BHV), wird noch deutlicher: „Es kann nicht länger sein, dass sich die Kassen um die Genehmigung der ambulanten Kuren mit fadenscheinigen Ausreden drücken, der Patient habe vor Ort noch nicht alle Maßnahmen ausgeschöpft.“ Es werden zwar in der Tat sehr viele „Kur“-Anträge von den Kassen nicht genehmigt, aber es lohnt sich in jedem Fall, Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Der BHV bietet allen Versicherten Unterstützung bei der richtigen Formulierung des Widerspruchs an. Unter www.gesundes-bayern.de/widerspruch-einlegen oder direkt beim BHV in Bad Füssing finden Ratsuchende kompetente Hilfe.

Eine Kur ist keine Reha und kein Urlaub

Da das Kuren so aus dem Mode gekommen ist, wissen vielleicht viele gar nicht, was eine „ambulante Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten“ nach Paragraph 23, Absatz 2 des fünften Sozialgesetzbuches eigentlich ist. Wichtig: Es handelt sich nicht um eine (ambulante oder stationäre) Reha, für die der Patient nur einen täglichen Eigenanteil von zehn Euro zahlen muss. Es ist aber auch kein „Präventionsurlaub“ nach Paragraph 20, für den es im Höchstfall 150 Euro von der Kasse geben kann.

Bei der „ambulanten Vorsorgeleistung“ sollte dem Antrag eine vom Arzt verfasste, ausführliche Begründung für die Notwendigkeit beigelegt werden. Kurort, Einrichtung, Unterkunft und Termin können im Einvernehmen mit dem Arzt und dem Kostenträger frei gewählt werden. Für Unterkunft und Verpflegung wird nur ein kleiner Zuschuss von 13 Euro täglich gewährt, bei chronisch kranken Kindern 21 Euro. Die Kosten für den Kurarzt werden komplett von der Kasse bezahlt, die Anwendungen zu 90 Prozent.