Kunst kann Demenzpatienten aktivieren

Der Sammlungsbereich „Alte Meister“ im Frankfurter Städel Museum. (Foto: Norbert Miguletz)
Der Sammlungsbereich „Alte Meister“ im Frankfurter Städel Museum. (Foto: Norbert Miguletz)

Museen bieten spezielle Führungen an, Wissenschaftler untersuchen positive Effekte

(dbp/auh) Eine Demenzerkrankung belastet oft die Beziehung zwischen Patient und seinem pflegenden Angehörigen, sagt Arthur Schall, Diplom-Psychologe an der Goethe-Universität Frankfurt. Das ARTEMIS-Projekt, das im Oktober 2014 in Zusammenarbeit mit dem Städel-Museum startet, will auch dazu beitragen, diese Beziehung positiv zu verändern.

Bildende Kunst kann genau wie Musik, Garten- oder tiergestützte Therapie bei Patienten mit Demenzerkrankungen vergessene Gefühle und verloren geglaubte Fähigkeiten wieder aktivieren. Diese Beobachtung wird am Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum bereits seit 14 Jahren gemacht, denn damals starteten die ersten Führungen für Demenzpatienten und ihre Angehörigen oder Betreuer.

Bereicherung und Entlastung

Das Lehmbruck-Museum leistete damit Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Museumspädagogin Sybille Kastner schilderte im Jahr 2008 in einem Interview mit der „Alzheimer Forschung Initiative“ ihre Erfahrungen: „Als direkte Reaktion bedanken sich die Teilnehmer bei uns häufig für das schöne Erlebnis. Uns wird berichtet, dass viele Betroffene ein erweitertes Sprachvolumen und erweiterte affektive Teilnahme gegenüber der Heimsituation zeigen und mit einem positiven Gefühl das Museum verlassen. Die Betreuer schildern uns, dass sie das Projekt insgesamt als sehr positiv für die Patienten empfinden und dass es auch für sie eine Bereicherung und Entlastung darstellt.“

Wie in Duisburg, so soll nun auch in Frankfurt Kunst als seelischer Türöffner für Menschen mit Demenz dienen. Im Vordergrund steht allerdings die wissenschaftliche Begleitung durch die beiden Diplom-Psychologen Dr. Valentina Tesky und Arthur Schall unter der Leitung von Professor Johannes Pantel. Das ARTEMIS-Projekt ist eine zunächst auf zwei Jahre angelegte Studie, durchgeführt vom Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin, Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie.

Neue Form der Kommunikation

Im Anschluss an die thematischen Führungen durch ausgewählte Bereiche des Städel bekommen die Teilnehmer die Möglichkeit, bei Atelier-Arbeiten selbst kreativ zu werden. Schall erläutert: „Es ist uns wichtig, dass Patient und Angehöriger etwas gemeinsam machen.“ Die positiven Erfahrungen aus der Begegnung mit der Kunst werden mit in den Alltag genommen, „damit nicht immer nur die Defizite gesehen werden“, so Schall.

Arthur Schall, der auch Musikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert hat, konnte bereits in einer Pilotstudie die Auswirkungen von Musik auf Menschen mit fortgeschrittener Demenz, die noch zu Hause leben, untersuchen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich non-verbale Kommunikationsfähigkeit, Wohlbefinden und emotionaler Ausdruck der demenzkranken Menschen während einer Musiktherapie signifikant verbessern.

„Menschen haben ein elementares Bedürfnis, sich mitzuteilen. Wenn die Sprachfähigkeit nachlässt, gewinnen non-verbale Kommunikationsformen zunehmend an Bedeutung und ermöglichen insbesondere auch die Äußerung von Emotionen“, erklärt Schall.

Wer Interesse an der Studie hat und vielleicht selber daran teilnehmen möchte, kann sich an Dr. Valentina Tesky (Telefon 069 – 6301-83621) oder Arthur Schall (069 – 6301-7657) wenden.

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