Kunst als Therapie

In der Kunsttherapie werden innere Vorgänge sichtbar gemacht. (Foto: ankdesign / Fotolia)
In der Kunsttherapie werden innere Vorgänge sichtbar gemacht. (Foto: ankdesign / Fotolia)

Bilder können den Zugang zur Seele ebnen.

(dbp/nas) Inneren Bildern eine äußere Gestalt zu geben, darauf setzt die Kunsttherapie. „Über Bilder können wir einen direkten Zugang zum emotionalen Erleben bekommen“, erklärt Professor Dr. Norbert Groddeck, Gründer der Arbeitsgemeinschaft für klientenzentrierte Therapie und humanistische Pädagogik. Der künstlerische Ausdruck wird damit zu einem wichtigen Schlüssel in der Therapie.

Achtung und Wertschätzung sind entscheidend

Eine überdimensionale Träne, ein Wasserfall, ein Abgrund – häufig sind es solche Motive, die von Klienten gemalt werden. Sie symbolisieren Erinnerungen und Gefühle. Trauer, Schmerz, Einsamkeit oder Angst. Vieles, wofür es zunächst gar keine Worte gibt. „Worte kommen erst in zweiter oder dritter Instanz dazu, wenn wir versuchen, etwas zu beschreiben“, sagt Professor Groddeck. Manchmal sei die Vergangenheit zu schmerzlich, um sich an sie zu erinnern und der Zugang zu ihr deshalb versperrt, auch für den Klienten selbst. Dann können Bilder der einfachere und direktere Weg sein.

In der Kunsttherapie werden künstlerische Darstellungsformen und Materialien für die psychotherapeutische Arbeit genutzt. Es gibt eine spezielle sogenannte klientenzentrierte Form, die auf der gleichnamigen Psychotherapietheorie des US-Amerikaners Carl Rogers basiert. „Bei Rogers geht es um eine Beziehung zum Klienten, die von Achtung und von Wertschätzung geprägt ist“, erläutert Groddeck. Das bedeutet: Der Therapeut und die Therapie konzentrieren sich auf die jeweiligen Ressourcen des Klienten und nicht auf die Fehler und Probleme.

Rogers wies nach, dass ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen seitens des Therapeuten den entscheidenden Faktor für das Funktionieren einer Therapie darstellt – egal um welche Form der Therapie es sich handelt. Jeder Klient soll seinen ganz eigenen Weg aus seiner Krise finden. Auf die Kunsttherapie angewandt, heißt das: Die ureigenen Bilder des Klienten weisen den Weg. Sie können gemalt oder gezeichnet oder in einer Foto-Collage, einem Objekt oder einer anderen künstlerischen Form sichtbar gemacht werden. Was zum Einsatz kommt, hängt davon ab, worauf sich der Klient einlassen kann und welche künstlerische Vorerfahrung der Therapeut mitbringt, so Groddeck.

Die Darstellung muss nicht realistisch sein

In der Kunsttherapie geht es nicht um eine realistische Darstellung der inneren Bilder, betont Norbert Groddeck. Auch ein Bleistiftstrich oder ein Farbklecks könne die seelische Verfassung eines Menschen ausdrücken. Wenn einem Klienten das Malen schwer falle, animiere er ihn, es genau so zu versuchen, wie Kinder es tun, ganz einfach mit Strichmännchen. Oft sind die Klienten selbst erstaunt, dass die Bilder viel dunkler und düsterer geraten, als sie es eigentlich selbst wollen. Darstellungen von einem Messer im Bauch, einem Panzer um den Körper oder einem tiefen Brunnen sind typische Metaphern, die dem Kunsttherapeuten in seiner Arbeit immer wieder begegnen. Und vielleicht steht am Ende einer Therapie dann eine gemalte Leiter, die es dem Klienten ermöglicht, heraufzuklettern.