Künstlicher Darmausgang

Ausscheidungen, die über einen künstlichen Darmausgang kommen, werden in einem anliegenden Stomabeutel gesammelt. (Foto: Fotolia / gogagoxi)
Ausscheidungen, die über einen künstlichen Darmausgang kommen, werden in einem anliegenden Stomabeutel gesammelt. (Foto: Fotolia / gogagoxi)

Nach Darmkrebs-Operation kann ein Stoma notwendig sein.

(iwg/fru) In Deutschland erkranken laut Robert Koch Institut jährlich etwa 61.000 Menschen an Darmkrebs. Eine Heilung kann in den allermeisten Fällen nur anhand einer Operation erfolgen. Dabei wird das vom Krebs befallene Darmstück mit ausreichend Sicherheitsabstand chirurgisch entfernt. So soll einem erneuten Tumorrückfall weitestgehend vorgebeugt werden. Wenn der Tumor besonders tief im Mastdarm sitzt und sich in unmittelbarer Nähe des Afters befindet, kann es sein, dass auch der gesamte Afterschließmuskel bei der Operation mit entfernt werden muss. „Die Afteröffnung verschließt der Chirurg mit einer Naht, als neuer Darmausgang wird ein künstlicher Darmausgang (Stoma oder Anus praeter) angelegt“, erklärt die Felix Buda Stiftung auf ihren Internetseiten.

Vorübergehendes oder dauerhaftes Stoma

Das Wort „Stoma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Mund“ oder „Öffnung“. Die Mehrzahl von Stoma ist Stomata. Je nach Lokalisation gibt es verschiedene Arten von Stomata. Laut der Deutschen ILCO – einer Selbsthilfeorganisation von und für Stomaträger – kann man grob zwischen einem Colostoma (Dickdarmausgang) und einem Ileostoma (Dünndarmausgang) bei künstlichen Darmausgängen unterscheiden. Ein künstlicher Harnausgang, der das Urin ableitet, nennt man Urostoma.

In Deutschland leben weit über 100.000 Menschen mit einem Stoma. „Es gibt sogenannte endständige (meist auf Dauer angelegte) Stomata und doppelläufige Stomata, die nach einem gewissen Zeitraum relativ unkompliziert wieder zurück verlagert werden können“, heißt es von der Deutschen ILCO. Nicht endgültige Stomata werden z. B. angelegt, damit nach einer Darm-Operation die betroffene Naht in Ruhe verheilen kann. Nach der Heilung wird das Stoma wieder zurückverlegt und die Darmentleerung kann wieder über den After erfolgen. Mit dem Stoma wird also anhand einer Öffnung in der Bauchdecke die Funktion eines normalen Darmausgangs nachgeahmt. Die Ausscheidungen werden dann in einem anliegenden Beutel gesammelt.

Teilhabe am Leben weitestgehend störungsfrei möglich

Wenn bei einer Darm-Operation der Schließmuskel entfernt werden muss, weil sich der Darmtumor z. B. zu tief im Mastdarm befand, muss ein dauerhaftes Stoma angelegt werden. In diesem Fall fragen sich Patienten oft, wie es nach der Operation weitergehen soll. Sie befürchten, nicht mehr am Leben teilhaben zu können und haben viele Fragen zu Ernährung, Beruf, Freizeitaktivitäten, Sport oder Sexualität. Eine Teilhabe am Leben ist jedoch auch mit Stoma weitestgehend störungsfrei möglich.

„Wenn sich der Körper von der Operation erholt hat und der Verdauungsapparat sanft wieder in Gang gekommen ist, ist eine spezielle Diät nicht erforderlich, es kann im Grunde gegessen werden was schmeckt“, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft. Und auch sonst muss auf nichts verzichtet werden, denn Wasser, Wärme und Bewegung können den modernen Versorgungssystemen nichts anhaben, sodass Schwimmen, Sport und sogar Saunagänge problemlos möglich sind. Ein künstlicher Darmausgang ist auch kein Hindernis für Intimität und Sexualität. Und auch eine Schwangerschaft ist für Frauen, die ein Stoma tragen, grundsätzliches kein Problem.