K(r)ummer großer Zeh

K(r)ummer großer Zeh

Die individuelle Schmerzgrenze entscheidet, ob beim Hallux valgus operiert werden muss

(dbp/nas) Krummer großer Zeh. Mit dem lateinischen Begriff „Hallux valgus“ wird genau das bezeichnet. Im deutschen Sprachgebrauch heißt er oft Ballen- oder Schiefzeh und früher wurde er volkstümlich auch Frostballen genannt. Verschiedene Faktoren wie genetische Veranlagung, Verletzungen, Rheuma oder eine Bindegewebsschwäche können ihn begünstigen. Wenn dann noch das falsche Schuhwerk getragen wird, steigt das Risiko für Hallux valgus stark an.

Das Problem wirklich beseitigen könne nur eine Operation. Die ist aber nicht für jeden Patienten zwangsläufig notwendig, erklärt der Orthopäde Dr. Jörn Dohle von der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.).

Der Fuß gerät in Schieflage

Zu eng, zu spitz, zu hohe Absätze – das sind die „Todsünden“, die man – beziehungsweise in den meisten Fällen frau – in puncto Schuhe begehen kann. Damit gerät nämlich der Fuß buchstäblich in Schieflage. Der große Zeh wird nach innen gedrückt und für diese Stellung ist die Sehne im Innern zu kurz. Alles gerät aus dem Gleichgewicht, die Innenseite des Fußes verformt sich und durch den kontinuierlichen Druck kann sich mit der Zeit noch eine Art Überbein am Grundgelenk bilden. Es droht Gelenkverschleiß und die benachbarten Zehen sind irgendwann ebenfalls betroffen und werden zu so genannten Hammer- oder Krallenzehen. Die Folge: Es passt kein Schuh mehr. Und: Es tut weh.

„Sind die Sehnen erst einmal aus der Balance, dann bekommt man sie durch nichts mehr gerade“, sagt Dr. Dohle. Für keine Therapiemaßnahme sei eine Wirksamkeit nachgewiesen, so der Experte. Eine Schiene könnte theoretisch helfen, aber nur wenn sie tagsüber, unter Belastung getragen wird und nicht nur nachts, wenn der Fuß ruht – und das sei nicht praktikabel. Vor Abstandshaltern ist laut Dr. Dohle zu warnen; die können nämlich eher schaden statt nützen, indem sie die anderen Zehen zusammenschieben. Abhilfe könne nur eine Operation schaffen. Die Entscheidung, ob und wann die nötig ist, sei aber eine ganz individuelle.

Der Schmerz entscheidet

„Das wichtigste Kriterium ist der Schmerz“, erläutert Dr. Dohle. Wer mit weiter geschnittenen Schuhen oder in einem späteren Stadium mit einer orthopädischen Maßanfertigung klarkommt, der müsse sich nicht operieren lassen. Dass die Operation noch immer einen schlechten Ruf hat, liege daran, dass früher oft „gelenkopfernd“ operiert worden sei. In den vergangenen Jahren habe sich aber viel getan in der Fußchirurgie und es werde versucht, rekonstruktiv zu arbeiten, wenn nötig.

Es gibt nach Auskunft von Dr. Dohle mehr als 100 unterschiedliche Operationsverfahren. Jeder Fußchirurg habe fünf bis zehn in seinem Portfolio, die er dann individuell auf den Patienten anpassen könne. Ein „Klassiker“, der oft bei einer leichten bis mittelschweren Fehlhaltung zum Einsatz kommt, ist die Methode nach Chevron/Austin: Der Mittelfußknochen wird im Bereich des Köpfchens durchtrennt und dann neu fixiert. Die Knochenstrukturen an der Fußinnenseite müssen zudem immer abgetragen werden.

Die Korrektur eines Hallux valgus ist übrigens auf eine schmerzfreie Belastbarkeit des Fußes ausgelegt und nicht als Schönheits-OP. „Schön muss der Fuß auch werden“, so Dr. Dohle, aber die Funktion stehe klar im Vordergrund. Die Kosten werden von den gesetzlichen Kassen übernommen.