Kribbeln in der Funktionsunterwäsche

Man muss dabei keine Liegestütze machen, aber man kann: Die Trainingsintensität bei EMS ist sehr variabel. (Foto: BERLINSTOCK / Fotolia)
Man muss dabei keine Liegestütze machen, aber man kann: Die Trainingsintensität bei EMS ist sehr variabel. (Foto: BERLINSTOCK / Fotolia)

Mehr Muskelmasse und weniger Körperfett durch elektrische Muskelstimulation (EMS)

(dbp/auh) EMS ist die Abkürzung von Elektromyostimulation und bedeutet, dass Muskeln mithilfe von elektrischen, niederfrequenten Impulsen aktiviert werden. Als medizinische Therapieform ist EMS seit vielen Jahrzehnten bekannt und wird in der Rehabilitation, in der Schmerztherapie oder auch zur Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz angewendet. In Sportmedizin und Leistungssport ist EMS ebenfalls eine bewährte Methode.

Als neue Trainingsmethode im Breitensport tauchte die elektrische Muskelstimulation in Deutschland vor etwa zehn Jahren auf. Mittlerweile gibt es sogenannte Mikrostudios, die ausschließlich EMS anbieten, in fast allen deutschen Städten. Ein Grund für die große Beliebtheit des stromgetriebenen Krafttrainings: Es ist in puncto Muskelaufbau nachweislich sehr effektiv. Mit minimalem Zeitaufwand (je nach Anbieter etwa 15 bis 30 Minuten pro Woche) können die Trainierenden sicht- und messbare Erfolge erzielen. Außerdem lässt sich die Elektrostimulation je nach individuellem Bedarf vielfältig einsetzen: Als Ganzkörpertraining oder zur Kräftigung einzelner Muskelgruppen, als Unterstützung bei der Gewichtsreduktion und zur Straffung des Bindegewebes.

EMS auch für Senioren geeignet

Zahlreiche Studien an sportwissenschaftlichen und sportmedizinischen Universitätsinstituten bescheinigen dem EMS-Training positive Effekte auch bei älteren Menschen zur Vorbeugung von Sarkopenie (Muskelabbau) und bei Patienten mit Rückenschmerzen oder Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Prozedere ist allerdings gewöhnungsbedürftig: Zunächst muss man sich nämlich eng anliegende Funktionsunterwäsche anziehen. Je nach Studio wird die Kleidung gestellt oder man bringt sie mit. In der Regel wird die Wäsche dann durchfeuchtet, damit der Strom besser fließt. Über das Hemd kommt eine Weste, an der Elektroden und Kabel befestigt sind. Sie wird stramm festgezurrt. Arme, Beine und das Gesäß bekommen auch verkabelte Manschetten. So verpackt, wird man an das Trainingsgerät angeschlossen.

Intensität individuell verschieden

Die in Intervallen und in unterschiedlichen Stärken abgegebenen Stromstöße stimulieren jede Muskelgruppe. Die elektrischen Impulse sind nicht schmerzhaft, aber sie kribbeln doch deutlich spürbar. Während der Muskel durch den Strom zur Kontraktion gezwungen wird, hält der Trainierende dagegen. Wie intensiv das geschieht, ist individuell sehr unterschiedlich. Man kann das EMS-Training im Sitzen machen oder dabei auf dem Crosstrainer schwitzen – ganz nach Wunsch.

Es gibt nur wenige Kontraindikationen für EMS: Nicht unter Strom setzen dürfen sich Schwangere, Träger von Herzschrittmachern, Menschen mit offenen Wunden oder akuten Infektionen. Für Gesunde birgt die Elektrostimulation mit niederfrequentem Strom keine Risiken. Dennoch: EMS ist sicher nicht für jeden das richtige Training. Und natürlich schon gar kein gleichwertiger Ersatz für körperliche Aktivität an der frischen Luft. Allerdings: In den erwähnten medizinischen Studien war die Akzeptanz für EMS insbesondere bei solchen Probanden gut, die sonst überhaupt keinen Sport betreiben. Gemäß der Devise „jede Bewegung ist besser als gar keine“, sollten Couchpotatoes ruhig mal ein Probetraining versuchen.

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Studie „Kurz- und langfristige Trainingseffekte durch mechanische und elektrische Stimulation auf kraftdiagnostische Parameter“ von Jochen Mester und anderen, Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Trainingswissenschaften und Sportinformatik, in: BISp-Jahrbuch – Forschungsförderung 2008/09, www.bisp.de; Online-Informationen des Fitness-Portals www.evivi.de; Pressemeldungen von „miha-bodytec“, http://v4.miha-bodytec.com/de/pressemeldungen/; Juliane Gutmann: „EMS: Fit durch elektrische Muskelstimulation?“, in: Apotheken-Umschau vom 12.07.2013; Studie „Einfluss eines adjuvanten EMS‐Trainings auf Körperzusammensetzung und kardiale Risikofaktoren bei älteren Männern mit Metabolischem Syndrom“ von Wolfgang Kemmler, Anne Birlauf und Simon von Stengel, Institut für Medizinische Physik an der Friedrich Alexander Universität Erlangen‐Nürnberg; Studie „Ganzkörper-Elektromyostimulation zur Prävention der Sarkopenie bei einem älteren Risikokollektiv. Die TEST-III Studie", von Wolfgang Kemmler u.a., , Institut für Medizinische Physik an der Friedrich Alexander Universität Erlangen‐Nürnberg, in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Jahrgang 63, Nr. 12 (2012); abgerufen im Juni 2014