Krebsrate könnte deutlich sinken

Ein guter Zeitpunkt für den Beginn der HPV-Impfung wäre die Vorsorgeuntersuchung J1 beim Kinder- und Jugendarzt. (Foto: by-studio / Fotolia)
Ein guter Zeitpunkt für den Beginn der HPV-Impfung wäre die Vorsorgeuntersuchung J1 beim Kinder- und Jugendarzt. (Foto: by-studio / Fotolia)

Die HPV-Impfung wird in Deutschland nur unzureichend angenommen

(dbp/auh) Als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs kam sie vor sechs Jahren auf den europäischen Markt und wurde anfangs recht offensiv beworben. Insbesondere ab Sommer 2007, als die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) in Deutschland offiziell empfohlen wurde, gab es TV- und Kinowerbung mit Prominenten, ganzseitige Anzeigen in Frauenzeitschriften und Plakatkampagnen in Arztpraxen.

Auch im Internet wurde viel getan, um die jugendliche Zielgruppe und deren Eltern über die neue Schutzimpfung aufzuklären. Nicht nur die beiden Impfstoffhersteller Sanofi Pasteur MSD („Gardasil“) und GlaxoSmithKline („Zervarix“), sondern auch öffentlich geförderte Institutionen starteten Infoportale zu HPV und Gebärmutterhalskrebs.

Trotz Nobelpreis kein Bestseller

Die „erste Impfung gegen Krebs“, wie sie von den Medien anfangs genannt wurde, war erst durch die Forschungsarbeiten von Professor Dr. Harald zur Hausen ermöglicht worden. Der Virologe und Krebsspezialist hatte nachgewiesen, dass die HP-Virustypen 16 und 18 Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Dafür bekam er 2008 den Medizinnobelpreis.

Doch in Deutschland ist die HPV-Impfung eher Ladenhüter als Bestseller. Seit 2007 können sich Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen impfen lassen – nur etwa jede dritte Versicherte tut es. Dafür gibt es zahlreiche, sehr verschiedene Gründe. Eine der Hauptursachen für die niedrige Impfbereitschaft könnte das Fehlen staatlicher Impfprogramme in Deutschland sein. Überall dort, wo Schulbehörden, Gesundheitsämter oder andere öffentliche Einrichtungen über die Impfung aufklären und diese auch organisieren, sind die Impfquoten deutlich höher. Beispiel Großbritannien: Dort haben 80 Prozent der zwölfjährigen Mädchen alle drei Impfdosen erhalten.

Die Chance der HPV-Impfung wird unterschätzt

„Wenn wir uns die Impfpässe der zwölfjährigen Mädchen anschauen, sehen wir, dass die Impfquoten in dieser Altersgruppe nur im einstelligen Bereich liegen“, bedauert Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), im Juni 2012 auf www.frauenaerzte-im-netz.de. Er vermutet, dass „Mädchen und ihre Eltern die Chance der HPV-Impfung offenbar unterschätzen.“ Wie groß die Chance sein könnte, wenn die Impfung besser angenommen würde, zeigen Zahlen aus Australien, wo die Impfquote dank eines flächendeckenden Programms bei 80 bis 90 Prozent liegt. Bereits drei Jahr nach Einführung der HPV-Impfung wurden in Australien 60 Prozent weniger behandlungsbedürftige Krebsvorstufen bei Mädchen unter 18 Jahren festgestellt.

Von den rund 6.200 Frauen, die in Deutschland jedes Jahr an Gebärmutterhalskrebs erkranken, ist jede fünfte in der Altersgruppe 15 bis 39 Jahre. Damit die Erkrankungszahlen in Deutschland deutlich zurückgehen, müsste nicht nur die Impfquote steigen, sondern auch die Zahl der Frauen, die jedes Jahr zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung gehen. Mehr als 60 Prozent der erkrankten Frauen waren in den drei bis fünf Jahren vor der Krebserkrankung nicht zur Kontrolle beim Gynäkologen.

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