Krebspatienten wünschen ganzheitliche Medizin

Krebspatienten sollten mit ihrem Arzt offen über ergänzende Therapien sprechen können. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)
Krebspatienten sollten mit ihrem Arzt offen über ergänzende Therapien sprechen können. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)

Die integrative Onkologie verbindet komplementäre und klassische Therapiemethoden

(dbp/auh) Auf viele Fragen zum Thema Krebs hat die Wissenschaft keine eindeutigen Antworten. Trotz enormer Fortschritte in der Krebsforschung sind längst nicht alle Aspekte der Entstehung und Entwicklung von bösartigen Tumoren geklärt. Das ist einer der Gründe, warum sich viele Krebspatienten nicht allein auf die klassische Onkologie verlassen möchten. Ein weiterer Grund: Die Diagnose Krebs führt nicht nur zu körperlichen, sondern oft auch zu sozialen und psychischen Veränderungen, die eine ganzheitliche Betrachtung erfordern.

„Bis zu 80 Prozent der Patienten mit onkologischen Erkrankungen nutzen in irgendeiner Form komplementäre Methoden“, stellt die Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRiO) fest. Das Problem: Es gibt ein unüberschaubar großes Angebot an alternativen Methoden, das von fundierter Komplementärmedizin bis zu gefährlicher Scharlatanerie reicht. Die PRiO wurde 2010 von der Deutschen Krebsgesellschaft gegründet, um Ärzte und auch Patienten in die Lage zu versetzen, die Spreu vom Weizen trennen zu können.

Den Mensch in seiner Ganzheit sehen

Die integrative Krebsmedizin verbindet klassische Onkologie, komplementäre Heilmethoden und Psycho-Onkologie. Das heißt, der Mensch wird in seiner Ganzheit gesehen und behandelt, erklärt Dr. Thomas Gronau aus Andernach. Der Leiter des Instituts für komplementäre Onkologie, der auch im Vorstand der PRiO arbeitet, skizziert das Konzept: „Akupunktur, Aroma-Therapie, Massagen, Musiktherapie, aber auch weltanschauliche Ansätze wie Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und weitere komplementäre Ansätze ermutigen und unterstützen den Patienten und lassen ihn spüren, dass die aggressive Krebstherapie nicht seine ureigenste Individualität zerstören kann.“

Keine Selbstmedikation

Krebspatienten müssen mit ihrem behandelnden Onkologen offen über ihren Wunsch nach begleitender Therapie sprechen können. Nehmen sie stattdessen „heimlich“ Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel während einer Chemotherapie, kann das zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Von einer Selbstmedikation mit hoch dosierten Pflanzen- und Mikronährstoffen wird dringend abgeraten. Wer die Heilkraft der Natur nutzen möchte, sollte das mit Unterstützung von Experten für Phytotherapie tun. Auch Ärzte, Apotheker und Heilpraktiker, die sich mit orthomolekularer Medizin auskennen, können helfen.

Broschüre und Beratung für Patienten

Die Vorsitzende der PRiO, Dr. Jutta Hübner, hat für die Techniker Krankenkasse (TK) eine 84-seitige Broschüre mit dem Titel „Komplementärmedizin für Krebspatienten“ erarbeitet, die einen guten Einstieg in das Thema bietet. Die Broschüre ist kostenlos und kann bei der TK bezogen werden. Zum Herunterladen auf www.tk.de den Webcode 640334 eingeben.

  • Das Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie (KOKON) bietet einen Beratungsservice an, für den man unter der Nummer 0911-398 3056 (werktags am Vormittag) einen Termin vereinbaren kann.