Krankhaftes Schwitzen

Hyperhidrose-Patienten schwitzen vermehrt ohne erkennbare Ursache. Dann muss teilweise auch mehrmals täglich das Hemd gewechselt werden. (Foto: Fotolia / andriano_cz)
Hyperhidrose-Patienten schwitzen vermehrt ohne erkennbare Ursache. Dann muss teilweise auch mehrmals täglich das Hemd gewechselt werden. (Foto: Fotolia / andriano_cz)

Übermäßige Schweißbildung bei Hyperhidrose-Patienten.

(dbp/abz/fru) Schwitzen ist gesund – es reguliert die Körpertemperatur, ermöglicht die Ausscheidung von Giftstoffen und Talg und sorgt für ein besseres Hautbild. Es gibt jedoch auch eine Form des Schwitzens, die krankhaft ist. Mediziner sprechen dann von einer Hyperhidrose. Bei betroffenen Patienten übersteigt die Schweißproduktion bei Weitem das Maß dessen, was physiologisch notwendig wäre.

Primäre und sekundäre Formen

Hyperhidrose-Patienten schwitzen anfallartig und ohne erkennbare Ursache. Dass die Hände, vor allem in Stresssituationen, regelrecht triefen oder mehrmals täglich das Hemd wegen großer Schweißflecken unter den Achseln gewechselt werden muss, ist für viele Betroffene Alltag und belastet sie auch psychisch sehr stark. Ein Erwachsener hat rund zwei Millionen Schweißdrüsen. Diese befinden sich in einer besonders hohen Dichte auf dem Handteller, den Fußsohlen und im Gesicht. Dort schwitzen Hyperhidrose-Patienten je nach Form der Erkrankung auch besonders stark.

Es gibt zwei Haupterkrankungsformen erklärt das Deutsche Hyperhydrose Zentrum (DHHZ) auf seinen Internetseiten: „Bei der primären Hyperhidrose besteht eine Fehlfunktion im autonomen (vegetativen) Nervensystem. Durch eine Überfunktion der die Schweißdrüsen steuernden Nerven, werden die Drüsen verstärkt angeregt und produzieren dadurch mehr Schweiß.“ Hier sei auch eine genetische Komponente mitverantwortlich. Die übermäßige Schweißbildung wird bei Betroffenen laut DHHZ besonders durch Nervosität, Stress und geringfügige körperliche Anstrengung ausgelöst. Die sekundäre Hyperhidrose wird hingegen durch andere Erkrankungen verursacht. Hier kommen beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion, das Klimakterium bei Frauen (Wechseljahre), neurologische und manifeste psychische Erkrankungen sowie die medikamentös bedingte Hyperhidrose infrage, die z. B. durch die Einnahme von Hormonen verursacht wird. Betroffene schwitzen bei der sekundären Form oft am ganzen Körper.

Verschiedene Behandlungsansätze

Je nach Schweregrad der Erkrankung stehen verschiedene Behandlungsformen zur Verfügung, die immer individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden sollten. Der Schweregrad kann durch die Messung der austretenden Schweißmenge pro Minute (Gravimetrie) ermittelt werden. Dazu wird ein saugfähiges Filterpapier auf die schwitzende Körperstelle gelegt und anschließend gewogen.

Zur Therapie kommen im Bereich der Achseln Antitranspirantien, die Einnahme von Medikamenten oder Botox-Injektionen (Botulinumtoxin A) infrage. Für Hände und Füße ist zudem eine Stromtherapie (Iontophorese) möglich. Wenn Betroffene am ganzen Körper schwitzen, empfehlen Experten z. B. Medikamente mit den Wirkstoffen Bornaprinhydrochlorid und Methantheliniumbromid.

Schlagen die genannten konservativen Methoden nicht an, kann man bei hohem Leidensdruck auch über eine Operation nachdenken. Dabei setzen Ärzte heute vor allem auf minimal-invasive Methoden, also mit kleinsten äußerlichen Verletzungen. Verbreitet ist hier die Schweißdrüsenabsaugung. Dabei werden die Schweißdrüsen auf der Rückseite der Haut mit einem spitzen Löffel abgeschabt (Kürettage) oder per Wasserstrahl gelöst und abgesaugt. Lediglich zwei kleine Schnitte sind dafür nötig. Manche Kliniken setzen auch die Laser-Lipolyse ein, bei der ein Laser die Schweißdrüsen regelrecht verdampft.