Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt?

Grundsätzlich kann sich jede gesunde Frau, die ein gesundes Baby erwartet, den Geburtsort selbst aussuchen. (Foto: Fotolia / inarik)
Grundsätzlich kann sich jede gesunde Frau, die ein gesundes Baby erwartet, den Geburtsort selbst aussuchen. (Foto: Fotolia / inarik)

Jede werdende Mutter sollte sich vorab gut informieren.

(dbp/nas) Ist Nachwuchs unterwegs, stellt sich automatisch die Frage: Wo soll er zur Welt kommen? Während es noch vor hundert Jahren ganz alltäglich war, sein Kind zuhause zu gebären, hat eine Hausgeburt inzwischen längst Seltenheitswert. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts fanden immer mehr Geburten im Kreißsaal statt – heute sind es hierzulande rund 98 Prozent.

Nur wenige Frauen entschließen sich zu einer außerklinischen Entbindung, die meisten von ihnen in einem Geburtshaus. Grundsätzlich könne sich jede gesunde Frau, die ein gesundes Baby erwartet, den Geburtsort aussuchen, sagt Hebamme Susanne Steppat vom Deutschen Hebammenverband. Aber wichtig sei, sich vorher gut zu informieren.

Kliniken und Geburtshäuser bieten Informationsveranstaltungen an

Der Gynäkologe Dr. Klaus J. Doubek vom Berufsverband der Frauenärzte hält Aufklärung und Kommunikation ebenfalls für grundlegend in der Vorbereitung auf die Geburt: „Schauen Sie sich die Kliniken an und entwickeln Sie ein Gefühl dafür, wo Sie sich wohlfühlen“, ermutigt er werdende Mütter. Viele Geburts- und Krankenhäuser bieten Informationsveranstaltungen und Kreißsaal-Begehungen an. Das seien gewissermaßen vertrauensbildende Maßnahmen – es entspanne, wenn man schon weiß, durch welche Tür man muss, sobald es losgeht. Allerdings bleibe alles Theorie eben bis zu diesem Moment, wo die Geburt tatsächlich losgehe. Und eine Geburt bedeute schlicht den „Ausnahmezustand“ – für die Gebärende, aber auch für den Partner, erklärt Dr. Doubek.

Wichtig sei deshalb, sich der eigenen Erwartungen klar zu werden und zu überprüfen, wie realistisch man das angehe, so Doubek. Auch Susanne Steppat bestätigt, dass das Geburtserlebnis von verschiedenen Faktoren abhänge – unter anderem eben auch davon, was die werdende Mutter wolle, brauche und erwarte, wie sie sozialisiert und vorbereitet sei. Das gilt für einen geplanten Kaiserschnitt bei einer Risikoschwangeren ganz genauso, wie für eine gesunde Frau, die ihr Kind gern zuhause bekommen möchte.

Medikamentöse Schmerzlinderung gibt es nur in der Klinik

Wenn man sich für eine außerklinische Geburt entscheidet, müsse man sich zum Beispiel darüber im Klaren sein, dass es im Geburtshaus oder zuhause keine Möglichkeit einer medikamentösen Schmerzlinderung gebe. „Da muss die Frau zutiefst überzeugt sein, dass sie das schafft, ohne Sicherheitspaket“, sagt Susanne Steppat. Und nicht nur die Frau sollte überzeugt sein. Es sei nicht gut, wenn zum Beispiel ein Partner bei einer Hausgeburt permanent nervös sei und denke „Oh Gott, wenn das nur gut geht“. Der Vorteil einer Hausgeburt ist, dass alles in der vertrauten Umgebung passiert und Partner und gegebenenfalls auch Geschwisterkinder in das Ereignis der Geburt besser eingebunden werden können.

Unwägbarkeiten gibt es bei jeder Geburt, betont Susanne Steppat. Sie plädiert aber dafür, weg vom „risikoorientierten Blick“ auf Schwangerschaft und Geburt zu kommen. Unnötige Ängste zu schüren, halten alle Experten für kontraproduktiv. Sobald sich relevante Risiken anbahnen – sei es bei der Mutter oder beim Kind, ist eine Entbindung in der Klinik laut Dr. Doubek natürlich sowieso anzuraten.