Kranke Kinderhaut braucht spezielle Pflege

Die Haut von Säuglingen reagiert wesentlich empfindlicher auf Umwelteinflüsse wie Kälte oder UV-Licht als die von Erwachsenen. (Foto: Oksana Kuzmina / Fotolia)
Die Haut von Säuglingen reagiert wesentlich empfindlicher auf Umwelteinflüsse wie Kälte oder UV-Licht als die von Erwachsenen. (Foto: Oksana Kuzmina / Fotolia)

Hautpflege bei Neurodermitis: für Kinder unter zwei Jahren lieber Glycerin statt Urea

(dbp/auh) Gesunde Kinderhaut braucht eigentlich keine besondere Hautpflege. Lediglich beim Sonnenschutz im Sommer und beim Kälteschutz im Winter empfehlen Experten spezielle Produkte. Wenn die Kinderhaut aber erkrankt und medizinische Behandlung benötigt, sollten stets „altersgerechte Präparate“ zur Anwendung kommen, rät die Bundesapothekerkammer.

Beispiel: Das atopische Ekzem, besser bekannt unter der Bezeichnung Neurodermitis, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Nach Schätzungen leiden bis zu 20 Prozent der Kinder an einem atopischen Ekzem. Bei den meisten Patienten klingen die Beschwerden bis zum Erwachsenenalter ab. Rund ein Viertel der Erkrankten leidet nach Angaben der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA) jedoch ein Leben lang unter unregelmäßig auftretenden, mal stärker, mal schwächer ausgeprägten Neurodermitisschüben.

Viele Therapieansätze bei Neurodermitis

Es gibt verschiedene Therapieansätze; sie reichen von UV- oder Klimatherapie über Bäder und Medikamente. Die äußerliche Behandlung besteht aus einer Kombination von langfristiger Basispflege mit äußerlich aufgetragenen, entzündungshemmenden Medikamenten. Die Basispflege muss an den Hauttyp und das Alter des Kindes angepasst sein. Bei Kindern bis zwölf Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für apothekenpflichtige Medikamente und Rezepturarzneimittel.

Bei Basispflegeprodukten für Erwachsenen wird als Feuchthaltefaktor meist Urea (Harnstoff) eingesetzt. Bei Kindern unter zwei Jahren sollte Harnstoff lieber vermieden werden, da er Juckreiz und Brennen auslösen kann. Für Kinderhaut besser geeignet ist zum Beispiel der Feuchthaltefaktor Glycerin.

Die zweite Säule der Behandlung des atopischen Ekzems ist die Entzündungshemmung. Bewährt haben sich einige kortisonartige Wirkstoffe mit einem günstigen Verhältnis zwischen Wirkung und Nebenwirkung, dem sogenannten therapeutischen Index. Sie müssen nur einmal täglich auf die Haut aufgetragen werden. Sie sind, anders als die Basispflege, nicht für die tägliche Dauerbehandlung bestimmt. Zur Vorbeugung von Schüben werden sie als „proaktive Therapie“ mehrere Monate lang zweimal wöchentlich aufgetragen.

Spezialpflege im Sommer und im Winter

Auch gesunde Kinderhaut kann von spezieller Pflege profitieren. Zum einen bei der Wahl des Sonnenschutzmittels. Während Erwachsene ohne Hautprobleme mit Cremes, Lotionen und Sprays gut geschützt sind, die einen chemischen Sonnenschutzfilter haben, sollten Kinder eher mit einem Sonnenschutzmittel versorgt werden, das auf einer physikalischen Reaktion basiert. Präparate mit Mikropartikeln, die das UV-Licht reflektieren, gehören dazu. Wichtig: Babys sollten der direkten Sonneneinstrahlung überhaupt nicht ausgesetzt werden, da Babyhaut noch kaum Melanin bilden kann, den natürlichen Sonnenschutz.

Babys sind auch besonders kälteempfindlich, da die Wärmeregulation noch nicht vollständig funktioniert. Im Winter schützen wasserfreie Pflegeprodukte zarte Kinderhaut vor dem Austrocknen. Die sind aber nur sehr schwer zu finden. Fast alle Pflegecremes enthalten etwas Wasser. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich in der Apotheke beraten lassen.