Krank im Alter – unausweichlich oder vermeidbar?

Vital und gesund auch in der zweiten Lebenshälfte – die Anti-Aging-Medizin meint, das sei möglich. (Foto: PictureArt / Fotolia)
Vital und gesund auch in der zweiten Lebenshälfte – die Anti-Aging-Medizin meint, das sei möglich. (Foto: PictureArt / Fotolia)

Anti-Aging-Mediziner verstehen Krankheiten als Folge der Alterung.

(dbp/auh) Anti-Aging – allein der Begriff ist für viele ein rotes Tuch. Verständlich, denn er klingt nach Jugendwahn und Anti-Falten-Creme. Aber Anti-Aging-Medizin ist ein spannender, alltags- und praxisrelevanter Wissenschaftsbereich.

Die Forschungsergebnisse dieser Disziplin haben viel zum besseren Verständnis von Krankheitsursachen beigetragen. Gerontologen, Physiologen, Humanbiologen, Anthropologen und Mediziner sämtlicher Fachrichtungen, die sich mit Anti-Aging beschäftigen, sind keine Gegner des Alters. Im Gegenteil: Sie sind fasziniert von den Alterungsprozessen im menschlichen Körper. Und von den Möglichkeiten echter Präventivmedizin, die sich aus den Erkenntnissen ihrer Forschungsarbeiten ergeben.

Den Alterungsprozess beeinflussen

Denn die Alterung verläuft nicht nach einem festgelegten Schema, aus dem es kein Entrinnen gibt. Der Prozess ist beeinflussbar. Jeder kennt Faktoren, die Menschen offensichtlich schneller altern lassen: Stress, Trauer, Rauchen, Vitaminmangel, Bewegungsmangel. Diese Faktoren machen aber nicht nur Falten und graue Haare, sondern setzen auch eine unsichtbare Alterung in Gang. Und diese führt zu Krankheiten, so die Anti-Aging-Forscher. Diese Ansicht vertrat übrigens schon Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), von dem das Zitat überliefert ist: „Krankheit ist vorzeitiges Altern.“

Länger jung bleiben heißt länger gesund bleiben

Unbestritten ist das Alter ein eigenständiger Risikofaktor für viele Krankheiten: Herz- und Gefäßkrankheiten, Typ-II-Diabetes, Osteoporose, Demenz, die meisten Krebsarten, Makuladegeneration, Arthrose. Mit steigender Lebenserwartung werden diese degenerativen Erkrankungen immer häufiger. Sie sind Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Bis dahin sind sich alle Ärzte einig. Doch die Schlussfolgerungen aus dieser Erkenntnis sehen bei Präventionsmedizinern anders aus. Sie sagen sich: Wenn die Alterung die eigentliche Krankheitsursache ist, dann können wir die Krankheiten verhindern oder zumindest ihr Auftreten verzögern, wenn wir den Alterungsprozess bremsen.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten weltweit Wissenschaftler daran, das Altern zu verstehen. In Deutschland hat sich im Jahr 1999 die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin gegründet. Die GSAAM (steht für German Society of Anti-Aging Medicine) ist nach eigenen Angaben die größte europäische Anti-Aging-Fachgesellschaft. Ihr Selbstverständnis: „Unser Ansatz ist, dass wir Alterungsprozesse als den wesentlichen Risikofaktor für die gängigen Volks- und Zivilisationskrankheiten identifiziert haben. Ein vertieftes Verständnis dieser Alterungsprozesse und deren gezielte Beeinflussung ist daher das Konzept im Kampf für ein gesundes Altern.“

So lange wie möglich – und eben auch im hohen Alter – gesund bleiben, das ist das Ziel der Anti-Aging-Medizin. Es geht darum, die optimale körperliche und geistige Leistungsfähigkeit in jeder Phase des Lebens zu erhalten oder wiederzugewinnen. Die Therapie besteht meist aus einem Bündel an Maßnahmen, dazu können neben individuellen Ernährungs- und Fitness-Empfehlungen auch Nahrungsergänzungsmittel, bioidentische Hormone und Anleitungen zum Stressabbau gehören.