Kraftsport für den ganzen Körper

Der Klettersport fordert den Körper auf vielfältige Weise. (Foto: alexbrylovhk / Fotolia)
Der Klettersport fordert den Körper auf vielfältige Weise. (Foto: alexbrylovhk / Fotolia)

Beim sportlichen Klettern werden nahezu alle Muskeln beansprucht

(dbp/wgt) Lange Zeit galt Klettern als Abenteuersport für Individualisten, die an kargen Felswänden nach immer neuen Herausforderungen suchten. Mittlerweile hat sich das Klettern zum Breitensport entwickelt, der ohne große Risiken auch in vielen Hallen ausgeübt werden kann. Rund 300.000 Sportkletterer zählt der Deutsche Alpenverein (DAV) inzwischen in Deutschland.

Wohl kaum eine andere Sportart fordert den Körper auf so vielfältige Weise. „Beim Klettern wird die gesamte Halte- und Skelettmuskulatur beansprucht“, erläutert Professor Volker Schöffl, Leiter der Sektionen Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin und Chirurgie der oberen Extremität am Klinikum Bamberg. Das Hangeln in der Vertikalen bringt den Bewegungsapparat in Schwung, angefangen bei der Handmuskulatur über Oberarme und Schultern bis hin zu Hüft-, Bauch- und Beinmuskulatur. Neben Kraft und Ausdauer sind das Gleichgewichtsgefühl und die Koordination von Händen, Armen, Füßen und Beinen gefragt. Hinzu kommen Konzentrationsfähigkeit und ein ordentlicher Schuss Willenskraft.

Dabei ist Klettern nicht nur etwas für junge Menschen. „Weil es sich um einen natürlichen Bewegungsablauf handelt, bei dem der gesamte Organismus gleichmäßig belastet wird, kann es vom Dreijährigen genauso ausgeübt werden wie vom Achtzigjährigen“, betont Professor Schöffl. Anfänger und Ungeübte sollten sich aber nicht gleich zu viel vornehmen und dem Körper genügend Ruhephasen gönnen.

Klettern mit therapeutischem Nutzen

Unter fachkundiger Anleitung kommt der beliebte Trendsport inzwischen auch bei der Therapie von orthopädischen und neurologischen Erkrankungen zum Einsatz. Ergänzend zur Physiotherapie findet das therapeutische Klettern unter anderem Anwendung bei Gelenkfunktionsstörungen, Wirbelsäulenverkrümmungen und Bandscheibenproblemen, bei Bewegungseinschränkungen der Schultergelenke sowie bei unterschiedlichen Haltungsschäden.

Nach Schlaganfällen und bei Multipler Sklerose hilft das therapeutische Klettern dabei, Körperwahrnehmung und Koordinationsfähigkeit zu schulen. Und in der Psychotherapie setzt man auf die positive Wirkung des Kletterns beispielsweise bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen.

Verletzungsrisiko ist gering

Obwohl das Unfallrisiko aufgrund moderner Ausrüstung und Sicherungstechniken als gering eingeschätzt wird, kann es beim Klettern wie bei allen Sportarten auch zu Verletzungen kommen. Neben gelegentlichen Hautabschürfungen treten Verletzungen jedoch meist durch Überlastung auf. Da Hand- und Fingerkraft die Kletterleistung entscheidend bestimmen, sind die Finger besonders gefährdet, weiß Professor Schöffl: „Am häufigsten beobachten wir, dass die Ringbänder reißen oder dass Überlastungen zu einer Sehnenscheidenentzündung der Fingerbeugesehnen führen.“ Allerdings sind solche Überbeanspruchungen bei Breitensportlern eher selten, so Schöffl.

Dagegen beobachten Orthopäden bei jungen Leistungskletterern, bei denen das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen ist, häufig Verletzungen der Wachstumsfugen an den Fingerknochen. Schmerzen und Schwellungen in den Fingergelenken sind typische Symptome, auf die Trainer und Eltern achten sollten, rät Schöffl. Werden die Beschwerden rechtzeitig erkannt und behandelt, lassen sich bleibende Schäden vermeiden.

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Deutscher Alpenverein (DAV) (o.J.): Klettern: Action in der Vertikalen. Online: http://www.alpenverein.de/bergsport/gesundheit/bergsportarten-gesundheit/bergsportarten-gesundheit-klettern-action-in-der-vertikalen_aid_15063.html; Friederich, Hajo (2011): Therapeutisches Klettern. Kleine Wände, große Wirkung. In: Panorama. Das Magazin des Deutschen Alpenvereins. 63. Jg., H. 4, S. 70-72. Online: http://www.alpenverein.de/chameleon/public/7268bd21-10be-1345-2dc1-c3d1f4a9d447/Panorama-4-2011-Fitness-Gesundheit-Therapeutisches-Klettern_20168.pdf; Schöffl, Volker (2012): Verletzungen durch Sportklettern. Spezifische Diagnostik und Therapie bei Breitensportlern. Online: http://www.sozialstiftung-bamberg.de/uploads/tx_templavoila/Schoeffl_2012_-_Verletzungen_durch_Sportklettern_-_Breitensport_01.pdf; Gespräch mit Professor Volker Schöffl, Leiter der Sektionen Sportorthopädie, Sporttraumatologie, Sportmedizin und Chirurgie der oberen Extremität am Klinikum Bamberg und Mannschaftsarzt der Deutschen Kletternationalmannschaft, Gespräch geführt am 27.05.2015