Konzentriert zum Lernerfolg

Manche Kinder brauchen Hilfe beim Erlernen der Konzentrationsfähigkeit. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Manche Kinder brauchen Hilfe beim Erlernen der Konzentrationsfähigkeit. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Ein spezielles Trainingsprogramm hilft Kindern, ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern

(dbp/wgt) Sie können sich nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren, lassen sich leicht ablenken, hören nicht zu, trödeln herum und sind schlecht organisiert. Kinder und Jugendliche, die an Aufmerksamkeitsstörungen leiden, gefährden nicht nur den eigenen Lernerfolg. Durch Unruhe und mangelnde Konzentration machen sie ihrer gesamten Schulklasse zu schaffen.

Vielen der Betroffenen kann mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden geholfen werden. In der Praxis kommt dabei häufig das Marburger Konzentrationstraining zum Einsatz, erläutert der Erlanger Ergotherapeut Ernst Barthel: „Das Trainingsprogramm hat sich aufgrund seiner klaren Struktur und transparenten Konzeption bewährt.“

Entwickelt wurde das Marburger Konzentrationstraining von dem Schulpsychologen Dieter Krowatschek zunächst für Schulkinder. Inzwischen stehen auch Programme für Kindergarten- und Vorschulkinder sowie für Jugendliche zur Verfügung. Das Training zielt darauf, die Aufmerksamkeitssteuerung der Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Dazu bedient es sich der Methode der verbalen Selbstinstruktion.

Kinder erteilen sich selbst Anweisungen

Bei der verbalen Selbstinstruktion üben die Kinder gezielt, sich selbst die richtigen Anweisungen zur Lösung einer Aufgabe zu geben, um so ihre kognitive Sprunghaftigkeit abzubauen und „sich eine strukturiertere Arbeitsweise anzueignen“, so Barthel. Der Therapeut zeigt den Kindern zunächst, wie man eine Aufgabe löst und dabei zu sich selbst spricht. Nach und nach lernen sie dann, das laute Aufsagen der Instruktionen durch Flüstern und schließlich durch inneres Sprechen zu ersetzen. „Die Methode der Selbstinstruktion greift etwas auf, was sich am Verhalten von Kleinkindern beobachten lässt. Sie reden beim Spielen oder beim Lösen von Aufgaben oft mit sich selbst, oder buchstabieren schwierige Wörter laut“, betont Barthel.

Beim Lösen der Aufgaben lernen die Kinder auch, mit Fehlern umzugehen. So sollen Panikreaktionen vermieden werden, die bei vielen der kleinen Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen auftreten, sobald ihnen eine Aufgabenstellung Probleme bereitet.

Lernen und entspannen im Wechsel

Das Marburger Konzentrationstraining ist für die Arbeit in Kleingruppen mit vier bis acht Kindern oder Jugendlichen geeignet. „Die praktische Erfahrung zeigt jedoch, dass sich in der Einzeltherapie wesentlich gezielter arbeiten lässt“, betont Ernst Barthel. Als Grundlage dienen vorgefertigte Arbeitsmaterialien. Jede Trainingseinheit folgt dem gleichen Schema. Am Anfang stehen Bewegungs- und Entspannungsübungen, dann folgen Übungen zur verbalen Selbstinstruktion. Zwischen den Trainingseinheiten zum inneren Sprechen gibt es Übungen zur Förderung der Wahrnehmung und der Merkfähigkeit.

Ein ganz besonderes Augenmerk wird auf die Zusammenarbeit mit den Eltern gelegt. Sie sollen ein Bewusstsein für die Probleme ihrer Kinder erhalten und so in die Lage versetzt werden, auch zu Hause unterstützend tätig zu werden. „Erfolge lassen sich schneller erzielen, wenn die Kinder möglichst früh mit dem Training beginnen und wenn sie durch ein kooperatives und motiviertes Elternhaus gefördert werden“, weiß Barthel.