Konservative Therapien sind oft die bessere Alternative

Nicht jede Arthrose muss mit einem künstlichen Gelenk versorgt werden. Konservative Therapien sind da oft wirkungsvoller und schonender für den Patienten. (Foto: alephnull / Fotolia)
Nicht jede Arthrose muss mit einem künstlichen Gelenk versorgt werden. Konservative Therapien sind da oft wirkungsvoller und schonender für den Patienten. (Foto: alephnull / Fotolia)

(dbp/fru) Zweifelsohne haben minimalinvasive und computergestützte Operationstechniken die Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie revolutioniert. Dennoch plädiert der Verband der Süddeutschen Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU) für ein Umdenken.

Er weist darauf hin, dass konservative Therapien oft wirkungsvoller sind als manche High-Tech Operation. „Konservative Therapien helfen selbst bei massiven Rückenschmerzen oft besser als ein chirurgischer Eingriff“, sagt Professor Dr. Joachim Grifka, ärztlicher Direktor des Orthopädischen Universitätsklinikums Bad Abbach. Nicht jede Verletzung müsse operiert, nicht jede Arthrose mit einem künstlichen Gelenk versorgt werden, so der Experte. Dies gelte auch für schwerwiegende Rückenerkrankungen, bei denen früher ein operativer Eingriff obligatorisch war. Beispielsweise könnten bei Bandscheibenvorfällen austretende Nerven mit gezielten Injektionen ruhiggestellt werden. „Die Erfolgsrate dieser minimalinvasiven Behandlungsmethode liegt selbst bei scheinbar operationsbedürftigen Veränderungen bei mehr als 80 Prozent“, schätzt Professor Grifka.

Training statt Operation

In der Orthopädie seien konservative Behandlungen mit orthopädietechnischen Mitteln wie etwa Bandagen, Schienen und Einlagen seit Jahrzehnten etabliert. „Die Bedeutung der Orthopädie-Technik bei der Behandlung wird ungeachtet aller Fortschritte im Operationssaal wieder steigen“, prognostiziert der Professor. Er verweist dabei auch auf eine aktuelle Entscheidung der Krankenkassen, minimalinvasive operative Eingriffe bei Kniearthrose womöglich künftig nicht mehr zu bezahlen. Stattdessen soll konservativen Therapien wie Kälteanwendungen, abschwellende Medikamente oder einfaches Muskeltraining wieder eine größere Bedeutung zukommen. Das werde auch die Eigenverantwortung der Patienten stärken.