Knochenzement baut den Wirbel wieder auf

Bei Osteoporose können die Wirbelkörper so porös werden, dass sie einbrechen. (Foto: Sagittaria / Fotolia)
Bei Osteoporose können die Wirbelkörper so porös werden, dass sie einbrechen. (Foto: Sagittaria / Fotolia)

Die Kyphoplastie ist eine minimal-invasive Operationsmethode bei Wirbelbrüchen

(dbp/nas) Osteoporose ist die Hauptursache für brüchige Wirbel. Aber auch Tumore beziehungsweise deren Metastasten können zum Einbruch von Wirbelkörpern führen. Manche Patienten bemerken das gar nicht, bei anderen verursachen die Frakturen große Schmerzen.

Insbesondere bei Brüchen in der Brust- und Lendenwirbelsäule kann das Verfahren der Kyphoplastie zum Einsatz kommen, wie Professor Dr. Bernhard Meyer von der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie erklärt. Über einen Katheter wird ein Ballon in die betroffenen Wirbelkörper eingeführt und aufgeblasen. In den entstehenden Hohlraum wird ein spezieller Knochenzement eingespritzt, der dem Wirbelkörper wieder mehr Stabilität verleiht.

Das Verfahren hat gegenüber seinem Vorläufer, der sogenannten Vertebroplastie, den Vorteil, dass der eingebrochene Wirbelkörper nicht nur stabilisiert, sondern auch in seiner Höhe wiederhergestellt wird. Bei der Vertebroplastie wird Knochenzement über eine Hohlnadel in den Wirbel gespritzt. Die Kyphoplastie schafft durch das Einführen des Ballons, der sich im Inneren des Wirbels aufbläst, einen Hohlraum, der dann mit dem Knochenzement gefüllt wird. Dadurch kann sich der eingefallene Wirbelkörper wieder aufrichten.

Der „Zement“ besteht aus Acrylharz

Der Knochenzement, der bei einer Kyphoplastie verwendet wird, besteht aus einem Acrylharz, das besonders schnell aushärtet und eine bestimmte Viskosität besitzt. Damit könne man die betroffenen Wirbelkörper wieder in eine halbwegs akzeptable Form bringen, sagt Meyer – bei manchen Patienten besser, bei manchen schlechter.

Durch die Schaffung eines Hohlraums kann man bei der Einspritzung des Materials mit weniger Druck arbeiten. Dadurch verringert sich das Risiko eines Austritts von Knochenzement aus dem Wirbelkörper, so Professor Meyer. Dies sei eine mögliche Komplikation bei beiden Verfahren.

Die meisten Patienten sind jedoch bereits direkt nach der Operation wieder fit. Allerdings: „So stabil wie vorher werden die Wirbel nie wieder sein“, betont Professor Meyer. Nicht geeignet ist das Verfahren bei Frakturen, die ein gewisses Alter überschritten haben oder bei denen die Deformation bereits zu stark ist.

Operiert wird nur bei Schmerzen

Es wird grundsätzlich nur operiert, wenn der Patient Beschwerden hat. „Ansonsten ist keine Therapie nötig“, erklärt der Experte. Andererseits muss aber auch abgeklärt werden, ob die Schmerzen tatsächlich von einem gebrochenen Wirbelkörper herrühren. Liegt ein Bandscheibenvorfall vor oder ist ein Nerv oder ein Knochenfragment eingeklemmt, muss anders therapiert werden. Bestätigt sich die Diagnose einer Wirbelfraktur, gilt es dann individuell zu entscheiden, ob eine Kyphoplastie technisch möglich ist. Das Verfahren wurde Ende der 1990er Jahre entwickelt. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 20 Minuten pro betroffenem Wirbel.