Knochensubstanz entscheidend

Im Vorfeld einer Implantation wird vom Zahnarzt geprüft, ob dafür überhaupt genügend Knochenmaterial vorhanden ist. (Foto: proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)
Im Vorfeld einer Implantation wird vom Zahnarzt geprüft, ob dafür überhaupt genügend Knochenmaterial vorhanden ist. (Foto: proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)

Zahnimplantate sollten nur in einen gesunden und starken Kieferknochen gesetzt werden.

(iwg/fru) Wenn es um den passenden Zahnersatz geht, haben Menschen in Deutschland die Qual der Wahl. Es stehen je nach individueller Mund- und sonstiger Gesundheitssituation diverse Lösungen zur Verfügung, wie beispielsweise Kronen, Brücken, Prothesen, Veneers und Implantate. Zahnimplantate sind dabei in der Regel die teuerste Alternative, aber in vielen Fällen auch die beste – vorausgesetzt es sprechen keine medizinischen Gründe dagegen. Die künstlichen Zahnwurzeln erfüllen laut der Initiative proDente die Aufgaben von echten Zahnwurzeln am besten und dienen als Anker für Kronen, Brücken und Prothesen. „Eine Voraussetzung für das erfolgreiche Einsetzen eines Implantats ist jedoch ein gesunder und starker Kieferknochen“, erklärt proDente auf dessen Internetseiten.

Implantate benötigen bestimmtes Knochenvolumen

Wenn Zähne schon länger fehlen, bildet sich an der entsprechenden Stelle im Laufe der Zeit die Knochensubstanz zurück. „Das ist ähnlich wie bei einem Muskel, der schrumpft, wenn er nicht mehr belastet wird“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Auch eine Parodontitis könne dafür verantwortlich sein, dass der Knochen zurückgeht. Wenn an der benötigten Stelle nicht mehr genügend Knochenmaterial vorhanden ist, können in der modernen Implantologie verschiedene Methoden des Kieferknochenaufbaus eingesetzt werden.

Ein bestimmtes Knochenvolumen ist entscheidend für die Erfolgsaussichten bei der Implantation. Je mehr Kieferknochen vorhanden und je dichter dieser ist, umso besser. Ansonsten muss der Zahnarzt „augmentieren“. Das bedeutet, dass in leichteren Fällen eigenes Knochenmaterial i.d.R. aus Kinn oder Mund gewonnen und als Knochensplitter dort eingefügt wird, wo das Implantat gesetzt werden soll. Wenn nur geringe Mengen Knochensplitter benötigt werden, können diese auch während der Implantation gewonnen werden, indem Knochenspäne beim Bohrvorgang mit speziellen Filtern aufgefangen werden. Eine weitere Möglichkeit bietet künstlicher Knochenersatz, der im Labor synthetisch hergestellt wird. Aber auch in solchen Fällen sollte 50 Prozent Eigenknochen dazu gemischt werden.

Sinuslift für kompliziertere Fälle

Wenn der Knochen zu dünn ist, kann das fehlende Gewebe heute auch durch Knochendehnung gewonnen werden, heißt es von der DGMKG. Dafür wird ein kleines Gerät namens „Distraktor“ genutzt. „Er wird in den Knochen eingesetzt und dehnt ihn allmählich auf. Dabei bildet sich auf natürliche Weise neue Knochensubstanz und somit ein stabiles Implantatbett“, erklärt die DGMKG.

Ist die Knochensubstanz im Oberkiefer bei einem Patienten so gering, dass ein Implantat keinen stabilen Halt haben würde, kann ein sogenannter „Sinuslift“ die Situation verbessern. Aufgrund der verbliebenen Restknochensubstanz entscheidet der Operateur, welches der vier Sinuslift-Verfahren zur Anwendung kommt. Der Sinuslift ist eine Operationsmethode, bei der im Oberkiefer der Boden der Kieferhöhle angehoben wird. Teilweise kann gleichzeitig mit dem Knochenaufbau auch die Implantation erfolgen. Falls das nicht möglich ist, wird das Implantat erst gesetzt, nachdem der eingelagerte Knochen sicher eingeheilt ist – das kann zwischen drei und neun Monaten dauern, da der menschliche Knochen langsam wächst.