Kniespiegelung: mehr Risiken als Nutzen?

Bei Gonarthrose scheint eine Gelenkspiegelung nur selten sinnvoll. (Foto: Sebastian Kaulitzki / Fotolia)
Bei Gonarthrose scheint eine Gelenkspiegelung nur selten sinnvoll. (Foto: Sebastian Kaulitzki / Fotolia)

(dbp/auh) Knie-Arthrose: Gelenkspiegelung hilft nicht.

Auf diesen knappen Nenner bringt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) die Studienlage, die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht wurde.

Hintergrund: Bei Patienten mit schmerzhafter Arthrose im Knie (Gonarthrose) wird relativ häufig (nach Angaben der Barmer GEK etwa 100.000-mal jährlich) eine therapeutische Arthroskopie des Kniegelenks vorgenommen. Dabei wird das Kniegelenk gespiegelt und mit Kochsalzlösung gespült (Lavage). Gegebenenfalls werden auch krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet (Debridement).

„Der Haken dabei ist: Viele Studien zeigen, dass der Eingriff nichts bringt“, sagt Elisabeth Buchinger von der Landshuter Beratungsstelle der UPD. Den Studien zufolge hatten Patienten nach der Spiegelung ebenso häufig Beschwerden wie Betroffene, die keinen solchen Eingriff hatten. „Dem gegenüber stehen aber mögliche Nebenwirkungen“, erklärt Buchinger: Entzündungen des Gelenks, Thrombosen oder Nervenschäden. Auch brauche man nach dem Eingriff einige Zeit, um wieder normal laufen zu können.

Bevor Patienten sich für eine Arthroskopie entscheiden, sollten sie daher ihren Arzt ausdrücklich nach dem Nutzen, den Risiken und etwaigen Alternativen fragen, rät die UPD (www.patientenberatung.de).

Übrigens: Eine Studie des Kölner Orthopäden Professor Dr. Bertil Bouillon ergab schon im Jahr 2003: „Nur in Fällen, bei denen die Gonarthrose mit instabilen Meniskusrissen und instabilen Knorpelanteilen bzw. freien Gelenkkörpern einhergeht, besteht eine klare Indikation zur Arthroskopie mit einem Nutzen für den Patienten.“