Kneippen ist mehr als Wassertreten

Wassertreten ist der Klassiker unter den Kneipp-Anwendungen. Allerdings ist das Wasser nur eine von fünf Säulen, auf denen die klassische Kneipp-Kur steht. (Foto: S. Kuß/Fotolia)
Wassertreten ist der Klassiker unter den Kneipp-Anwendungen. Allerdings ist das Wasser nur eine von fünf Säulen, auf denen die klassische Kneipp-Kur steht. (Foto: S. Kuß/Fotolia)

Das Gesundheitskonzept umfasst auch Sport, Ernährung und den „gesunden Geist“

(dbp/spo) Die Bilder sind bekannt: „Kneippende“ Kurgäste, die im Storchengang durch Wasserbecken waten oder kalte Güsse über ihre Unterschenkel laufen lassen. Die Wassertherapie ist die wohl berühmteste Säule des Gesundheitskonzepts von Pfarrer Sebastian Kneipp. Es gibt aber auch noch vier andere.

Kneipps Therapiemodell besteht aus folgenden Komponenten: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Die Grundidee dahinter: Der Organismus braucht Reize, um gesund zu bleiben. So braucht das Immunsystem zum Beispiel den Kältereiz, um sich abzuhärten. Die Muskeln brauchen regelmäßige Belastung, um nicht zu verkümmern. Gleiches gilt für das Verdauungssystem. Und übrigens auch für die Seele: Sie braucht soziale Kontakte und geistige Herausforderungen, um sich optimal zu entwickeln. Wichtig ist aber: Die Reize müssen ein gesundes Maß haben. Zu viel körperliches Training, zu viel Kälte und zu schweres Essen schaden eher, als dass sie nützen.

Eine Kur bietet alle Aspekte

Gesundheit ist demnach etwas, an dessen Erhalt man ständig arbeiten muss. Deshalb ist eine Kneipp-Kur nicht nur für Kranke gedacht, sondern auch als Präventionsmaßnahme. Kneipp-Heilbäder bieten einen guten Mix an Angeboten aus allen fünf Komponenten. Das Wasser spielt dabei natürlich eine zentrale Rolle. Kneipp hat sich einst selbst mit Tauchbädern in der Donau von der Tuberkulose geheilt. Nach Angaben des Kneipp-Bunds kannte der Pfarrer über 100 verschiedene Wasseranwendungen. Darunter sind nicht nur kalte Güsse, sondern auch Wickel, Packungen, Bäder sowie Waschungen mit warmem Wasser oder warmem und kaltem Wasser im Wechsel.

Dass die Bewegung zur Gesundheit gehört wie das Salz zur Suppe ist klar – im Zeitalter der Bürojobs sowieso. Auch der Pfarrer wusste das schon: „Wenn das Wasser immer ruhig und stille steht, wird es bald faul“, sagte er. Einmal am Tag sollte der Mensch an seine körperliche Belastungsgrenze kommen, empfiehlt der Kneipp-Bund – oder zumindest seine Herzfrequenz deutlich nach oben bringen.

Balance zwischen An- und Entspannung

Bei einer Kneipp-Kur wird zudem besonderer Wert auf eine gesunde Ernährung gelegt. Kneipp selbst plädierte für recht zeitlose Regeln: Möglichst einfach, naturbelassen und ausgewogen sollte das Essen sein. Darüber hinaus wird bei Kuren – je nachdem, welche Beschwerden vorliegen – die heilende Wirkung von Pflanzen und Kräutern genutzt.

Die fünfte Säule, die Lebensordnung, setzt auf eine gute Balance zwischen Anstrengung und Erholung. „Weniger Stress, mehr Gelassenheit“ lautet das Ziel. Wie es erreicht wird, kann unterschiedlich sein: mit Entspannungstherapien wie Achtsamkeitstraining, Meditation, Yoga, oder aber Freizeitaktivitäten wie Malen, Spazierengehen oder dem Austausch mit anderen.

Kneipps Gesundheitskonzept ist über 150 Jahre alt, seitdem wurden seine Regeln immer wieder modernisiert. Früher durften seine Patienten zum Beispiel das Wasser für ihre Güsse selber pumpen, so sorgten sie gleich für die nötige Bewegung. Das ist natürlich nicht mehr so. Und auch in Sachen Ernährung gibt es neue Erkenntnisse. Kneipps Grundgedanken sind aber erhalten geblieben – und weiterhin aktuell.