Kleine Stifte ganz groß

Bevor der Patient sich für den Einsatz von Mini-Implantaten entscheidet, sollte er sich vom Zahnarzt ausführlich zu Vor- und Nachteilen sowie zu den Kosten beraten lassen. (Foto: © proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)
Bevor der Patient sich für den Einsatz von Mini-Implantaten entscheidet, sollte er sich vom Zahnarzt ausführlich zu Vor- und Nachteilen sowie zu den Kosten beraten lassen. (Foto: © proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)

Mini-Implantate können vielseitig eingesetzt werden.

(dbp/fru) Deutschland wird immer älter. Zugleich steigen bei Deutschlands Senioren auch die Ansprüche, wenn es um die Versorgung mit Zahnersatz geht. „Zahnärzte stehen vor der Herausforderung eine wachsende Zahl älterer Patienten zu behandeln, die deutlich höhere Ansprüche an ihre Lebensqualität als die gleiche Altersgruppe vor 20 Jahren haben. Außerdem verlieren sie ihre Zähne heute sehr viel später als früher und so gewöhnen sich viele Patienten nur sehr schlecht oder gar nicht an Totalprothesen oder große Teilprothesen mit geringer oder ungünstig verteilter Restbezahnung“, erklärt Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Mainz.

Diese Ansprüche können heutzutage auch mit Mini-Implantaten befriedigt werden. Die einteiligen Titanschrauben, die mit einem Kugelkopf enden, haben mit nur bis zu 3 Millimetern einen deutlich geringeren Durchmesser als herkömmliche Implantate und können minimalinvasiv (es gibt nur kleine Verletzungen von Haut und Weichteilen) in den Knochen eingebracht werden. Dadurch ist unter bestimmten Umständen sogar eine Sofortbelastung möglich. Mittlerweile kann man auch einzelne Zahnlücken oder Brücken gut mit Mini-Implantaten versorgen.

Gut geeignet zur Verankerung von Teil- und Totalprothesen

Heutzutage bescheinigen Studien den Mini-Implantaten für bestimmte Indikationen ähnliche Erfolgsraten, wie bei herkömmlichen Implantaten. Sie können sowohl für festen Zahnersatz als auch für herausnehmbaren Zahnersatz als Verankerung dienen. „Sie sind eine Option für diejenigen Patienten, die sonst ein Knochenimplantat bräuchten, um eine herausnehmbare Prothese zu stützen. Wenn beispielsweise eine alte Dame zu mir kommt, bei der man keine Augmentation (medizinisch für Knochenaufbau; Anmerkung der Redaktion) mehr machen kann, kann ich ihren Zahnersatz mit vier Kugelköpfen und Gummiringen stützen und die Patientin ist glücklich“, sagt Professor. Wagner.

Mini-Implantate können also den Halt einer bereits bestehenden herausnehmbaren Prothese wesentlich steigern und dem Patienten einen deutlichen Zugewinn an Kaukomfort und damit an Lebensqualität bescheren. Dafür muss im Anschluss an die Behandlung lediglich die bestehende Prothese etwas umgearbeitet werden, damit die Kugelköpfe in ihr einrasten können. Für zahnlose Unterkiefer kommen zur Verankerung einer Vollprothese i. d. R. vier Mini-Implantate zum Einsatz. Für den Oberkiefer werden aufgrund des etwas weicheren Knochenmaterials meistens sechs Mini-Implantate gesetzt.

Voraussichtliche Kosten im Heil- und Kostenplan

Generell kann man sagen, dass der Einsatz von Mini-Implantaten aufgrund der geringeren Materialkosten und des deutlich geringeren zahnärztlichen Aufwands um mehr als 50% günstiger sein kann als bei herkömmlichen Implantaten. In beiden Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse jedoch nur einen Festzuschuss. Und dieser bezieht sich nicht auf die künstlichen Wurzeln sondern auf den eventuell neu anzufertigenden Zahnersatz.

Ein konkretes Angebot erhalten Patienten mit dem sogenannten Heil- und Kostenplan (HKP), anhand dessen genau dokumentiert wird, wie die Behandlung aussehen soll und welche Kosten voraussichtlich entstehen. Dieses Dokument sollte übrigens am besten vor Beginn der Behandlung auch der Krankenkasse zur Verfügung gestellt werden, da es als Grundlage für die Entscheidung der Krankenversicherung dient, wie hoch ggf. der Zahnersatz-Zuschuss für den Patienten ausfällt. Seit 1. Februar 2016 gibt es eine Ergänzung des Heil- und Kostenplans im Bereich Zahnersatz um die Angabe des voraussichtlichen Herstellungsortes bzw. Herstellungslandes des Zahnersatzes.

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