Klassisch, latent oder still

Der Klebereiweiß Gluten, kommt z. B. in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und in handelsüblichem Hafer vor (Foto: Fotolia / bg-pictures)
Der Klebereiweiß Gluten, kommt z. B. in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und in handelsüblichem Hafer vor (Foto: Fotolia / bg-pictures)

Es gibt viele Formen der Zöliakie.

(iwg/fru) Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Müdigkeit, Nierenerkrankungen oder sogar Depressionen – das alles können Begleiterscheinungen bei Zöliakie-Patienten sein. Bei so vielen zahlreichen und unterschiedlichen Symptomen liegt es auf der Hand, dass es unter Umständen Jahre dauern kann, bis die Krankheit zweifelsfrei diagnostiziert wird. Zumal die Symptome auch in unterschiedlicher Ausprägung vorkommen. Wenn man bei sich solche Symptome feststellt, sollte man einen Facharzt aufsuchen, um eine Glutenunverträglichkeit zu bestätigen oder auszuschließen. Der Klebereiweiß Gluten, bzw. die Unterfraktion Gliadin, kommt in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und in handelsüblichem Hafer vor, aber auch in „alten“ Weizensorten wie Einkorn, Emmer und Khorasan-Weizen, erklärt die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG).

Zwei Häufigkeitsgipfel

Zöliakie kommt lediglich bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen im sogenannten Vollbild vor, bei welchem Patienten von massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen geplagt werden. Bei den restlichen 80 bis 90 Prozent kommen nur untypische oder keine Symptome vor. Diese Menschen wissen daher oft gar nichts von ihrer Erkrankung. „Grundsätzlich ist ein Ausbruch der Erkrankung in jedem Lebensalter möglich. Man beobachtet allerdings zwei Häufigkeitsgipfel: Der erste liegt zwischen dem 1. und dem 8. Lebensjahr, der zweite zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr“, erklärt die DZG.

Nur der Facharzt kann eine sichere Zöliakie-Diagnose stellen. Diese basiert auf drei Säulen: einer Antikörperbestimmung, einer Gewebeuntersuchung sowie der Wirkung von Gluten auf die Symptome, teilen die „Internisten im Netz“ auf ihren Internetseiten mit. Ein Bluttest kann bestimmte Antikörper im Blut nachweisen, bei der Dünndarmbiopsie kann zudem Gewebe aus dem Dünndarm entnommen und genauer untersucht werden.

Bei einer sogenannten „latenten Zöliakie“ ist die Dünndarmschleimhaut unter Normalkost nicht entzündet, unter glutenreicher Kost treten jedoch Beschwerden auf. Bei der „stillen Zöliakie“ sind keine Veränderungen an der Dünndarmschleimhaut zu erkennen, dafür aber Immunreaktionen nachweisbar, wie z. B. Bildung von Antikörpern. Und bei der „klassischen Zöliakie“ treten sichtbare Symptome, wie die Rückbildung der Dünndarmzotten oder eine verschlechterte Nährstoffaufnahme mit Zeichen einer Mangelernährung auf. Diese Symptome bessern sich unter glutenfreier Ernährung.

Einzige Therapie: Verzicht auf Gluten

Wenn tatsächlich eine Zöliakie vorliegt, gibt es nur eine einzige sichere Therapiemöglichkeit: lebenslanger Verzicht auf das Klebereiweiß Gluten. Eine glutenfreie Ernährung ist jedoch ein relativ komplexes Thema, was viel Eigeninteresse und ein gutes Selbstmanagement erfordert, insbesondere beim Einkaufen und Kochen. Daher ist es empfehlenswert, sich nach einer Zöliakie-Diagnose von einer Ernährungsfachkraft beraten zu lassen. Das können Ärzte sein aber auch Oecothrophologen oder z. B. sonstige Ernährungsberater in Apotheken und Reformhäusern.

Glutenfreie Produkte kann man an dem Zeichen einer durchgestrichenen Ähre oder dem Zusatz „glutenfrei“ erkennen. Insbesondere bei Fertiggerichten aller Art, Wurstwaren und Süßigkeiten müssen Zöliakie-Patienten genau hinschauen. Übrigens: „Auch in einigen Arzneimitteln kann Weizenstärke als Trägersubstanz eingesetzt sein“, warnt die DZG. Sie stellt daher eine Auflistung von entsprechenden Medikamenten zur Verfügung. Auch der Apotheker kann hierzu beraten.