Kinderärzte wollen Vorsorge-Lücke schließen

Kinderärzte wollen Vorsorge-Lücke schließen

Untersuchungen U10, U11 und J2 werden nicht von allen Kassen erstattet

(dbp/mhk) Bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinder- und Jugendarzt, die von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden (U1 bis U9 und J1), sollen Defekte und Erkrankungen möglichst schnell erkannt werden, um früh eine entsprechende Therapie einleiten zu können. Sie werden im gelben Kinder-Untersuchungsheft des Gemeinsamen Bundesausschusses dokumentiert.

Von der U9 (mit etwa fünf Jahren, vor dem Schuleintritt) bis zur J1 zwischen dem 12. und 15. Geburtstag besteht jedoch eine große Zeitspanne von wenigstens sieben Jahren. „Diese sieben Jahre sind enorm wichtige Jahre, vor allem um Frühzeichen psychischer Krankheiten und Störbilder, die oft erst im Schulalltag sichtbar werden, rechtzeitig und früh zu erkennen“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Empfohlen und durchgeführt werden daher von Kinder- und Jugendärzten drei weitere zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, die auf Bundesebene nicht gesetzlich geregelt sind und nicht von allen Kassen erstattet werden, aber dennoch sehr wichtig sind.“

U10 wichtig im Grundschulalter

„Die U10, die im Alter von sieben bis acht Jahren stattfindet und mit der U11 die große Lücke zwischen U9 und J1 schließen soll, ist als Vorsorge im Grundschulalter wichtig für das Erkennen und die Therapieeinleitung von zahlreichen Störungen“, erläutert Dr. Fegeler. Dazu zählen unter anderem Lese-Rechtschreib-Rechenstörungen, Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel ADHS sowie körperliche Probleme, die oft erst nach dem Schuleintritt deutlich werden, wie die Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung). „Daneben wird hier großen Wert auf die primäre Prävention von Fehlernährung, motorischen Bewegungsdefiziten und dem Übermaß des Mediengebrauches gelegt“, verdeutlicht der Kinderarzt.

U11 soll auch Verhalten thematisieren

Die U11 sollte im Alter von neun bis zehn Jahren stattfinden. „In diesem Alter treten häufig Schulschwierigkeiten auf. Schulleistungsstörungen, Sozialisations- und Verhaltensstörungen können bei der Vorsorge erkannt werden“, so Fegeler. Aber auch Zahn-, Mund- und Kieferanomalien sollen erkannt und erforderliche Therapien eingeleitet werden. Diese Untersuchung soll zudem der Bewegungs- und Sportförderung dienen, den problematischen Umgang mit Suchtmitteln erkennen und verhindern helfen und gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen.

Themen der J2: Sex, Drogen und Internet

Sehr sinnvoll sei dann die zusätzliche J2 für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren. „Sie bietet Jugendlichen auf dem Sprung zum Erwachsenwerden eine gute Möglichkeit zum Gesundheits-Check-Up und für eine intensive Beratung, insbesondere, wenn sie bereits Erfahrung mit der Sexualität gemacht haben. Aber auch Rauchen, Alkohol oder Medienkonsum, insgesamt gesundheitsbewusstes Verhalten sind wichtige Beratungsthemen“, so Fegeler. Themen wie Akne oder Haltungsschäden werden zum Abschluss der pubertären Phase ebenfalls relevant. Zudem werden in dieser Zeit oft wichtige Entscheidungen bezüglich der Berufswahl getroffen. „Doch für Allergiker sind einige Berufe nicht geeignet“, sagt der Arzt.

Eine Liste der Krankenkassen, die diese zusätzlichen Untersuchungen erstatten, findet man im Internet unter www.gesundes-kind.de/u-untersuchung-erstattungen/auswahl.jsp.

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