Kinder mit Rheuma brauchen Infektionsschutz

Impfschutz ist für Kinder mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besonders wichtig. (Foto: Dan Race / Fotolia)
Impfschutz ist für Kinder mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besonders wichtig. (Foto: Dan Race / Fotolia)

Ein Kinderrheumatologe sollte mitentscheiden, wenn es ums Impfen geht

(dbp/auh) Viele Eltern von rheumakranken Kindern sind hin- und hergerissen, wenn es um das Thema Impfen geht. Einerseits ist der Impfschutz für ihre Kleinen noch wichtiger als für gesunde Kinder, da sie anfälliger für Infektionen sind und es im Fall der Erkrankung eher zu Komplikationen kommt. Andererseits gibt durchaus ernst zunehmende Bedenken, zumindest gegen Lebendimpfstoffe, wenn die Patienten Medikamente einnehmen, die das Immunsystem schwächen.

Viele Rheumamedikamente unterdrücken die Immunabwehr. Wenn Kinder solche hoch dosierten Immunsuppressiva (zum Beispiel Biologika oder Cortisonpräparate) einnehmen, sollten sie besser keine Lebendimpfstoffe bekommen. Es besteht nämlich dann die Gefahr einer Infektion. Und es gibt noch ein Problem: Unter der Behandlung mit Immunsuppressiva kann die Impfreaktion des Immunsystems derart beeinträchtigt sein, dass unter Umständen keine ausreichende Schutzwirkung zustande kommt.

Keine Angst vorm Rheumaschub

In einem anderen Punkt aber scheint kein Anlass zur Sorge zu bestehen: Es gibt zwar immer wieder Berichte von Rheumaschüben nach einer Impfung. Dass es sich dabei aber um mehr als ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen handelt, dafür gibt es keine stichhaltigen Belege.

Trotz dieser komplizierten Gemengelage sollten sich alle Beteiligten bemühen, auch und gerade rheumakranken Kindern einen ausreichenden Impfschutz zu gewähren. Für Fachleute hilfreiche Empfehlungen dazu hat im Jahr 2011 die „European League against Rheumatism“ (EULAR) herausgegeben. Für Eltern lohnt sich die Lektüre der Impf-Informationen, die von der Deutschen Rheuma-Liga unter www.rheuma-liga.de zusammengestellt wurden.

Die meisten Vakzine sind Totimpfstoffe

Generell gilt nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga, dass Totimpfstoffe bei jeder Rheumaform und unter jeder Medikation (mit Ausnahme von Rituximab) einsetzbar und effektiv sind. Zu den Totimpfstoffen zählen die Vakzine gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Pertussis (Keuchhusten), Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Hepatitis A und B, Meningokokken B und C, Pneumokokken, HPV (Humane Papillomaviren), Influenza (Grippe) und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).

Grundsätzlich sollten sich Eltern von rheumakranken Kindern an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) halten. Der jedes Jahr im Sommer aktualisierte Impfkalender ist unter anderem über die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.impfen-info.de abrufbar. Die STIKO empfiehlt aber auch, dass ein Spezialist (Kinderrheumatologe) bei der Entscheidungsfindung hinzugezogen wird, welche Impfung wann im Einzelfall angebracht ist. Besonders wichtig für Patienten mit autoimmunen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und Meningokokken.

Lebendimpfstoffe: Masern, Mumps, Röteln, Rotaviren und Windpocken

Bei Einhaltung des Impfkalenders und der Impfabstände ist eine vollständige Grundimmunisierung gegen Masern, Mumps, Röteln, Rotaviren und Varizellen (Windpocken) im Alter von 15 Monaten abgeschlossen. Fast alle Kinder haben bei Ausbruch der rheumatischen Erkrankung diese wichtigen Grundimpfungen mit Lebendvakzinen hinter sich. Die notwenige Auffrischungsimpfung wird auch unter Immunsuppression von den meisten Patienten gut vertragen.