Kieferorthopädische Therapien beim Milchgebiss

Kieferorthopädische Therapien können schon teilweise im Vorschulalter notwendig sein. (Foto: proDente e. V.)
Kieferorthopädische Therapien können schon teilweise im Vorschulalter notwendig sein. (Foto: proDente e. V.)

Wann eine Frühbehandlung bei Kindern sinnvoll ist.

(dbp/fru) Probleme mit den Zähnen sind nur zum Teil auf erbliche Faktoren zurückzuführen. Oft liegen die Ursachen für Fehlstellungen im frühen Kindesalter, denn hier werden in der Regel die Weichen für die Gebissentwicklung gestellt. Eine kieferorthopädische Therapie im Milchgebiss ist jedoch selten erforderlich. „Ausgeprägte Zahnfehlstellungen und Gebissanomalien kommen in dieser frühen Phase der Gebissentwicklung nicht so häufig vor wie im späten Wechselgebiss beziehungsweise bleibenden Gebiss“, erklärt die Zahnärztliche Bundesvereinigung KZBV auf ihren Internetseiten.

Vergleichsweise schneller Therapieerfolg

Bei Gefahr einer massiven Wachstumsbehinderung in der ersten Phase des Zahnwechsels oder einer deutlichen Anomalieverstärkung in der Nutzungsphase der Milchzähne kommen auch Therapiemaßnahmen im Milchgebiss infrage. Die erste Voraussetzung dafür ist selbstverständlich eine ausreichende Kooperationsbereitschaft des Kindes (z. B. bei der Abnahme eines Abdrucks). Das bedeutet, dass solche Schritte oft nur ab dem vierten Lebensjahr eingeleitet werden können.

„Als Behandlungsgeräte kommen im Allgemeinen individuell hergestellte herausnehmbare Apparaturen, sehr selten festsitzende Geräte zum Einsatz“, erklärt die KZBV. Meistens sei die Umformbereitschaft des Milchgebisses so gut, dass sich ein Therapieerfolg rasch einstellt und die notwendigen Maßnahmen nach 12 bis 18 Monaten – und damit teilweise noch vor Beginn des Zahnwechsels – abgeschlossen werden können.

Falls sich die Fehlstellung in diesem Zeitraum nicht vollständig korrigieren lasse, könne die Behandlung auch eine Zeit lang ausgesetzt werden und in der Ruhephase des Zahnwechsels (mit etwa 9 bis 10 Jahren) beziehungsweise im bleibenden Gebiss wiederaufgenommen werden. „Dies gilt aber nicht, wenn eine irreparable Schädigung des Gebisssystems, eine massive Wachstumsbehinderung oder eine deutliche Verstärkung der Anomalie droht“, erklärt die KZBV.

Funktionsregler lösen Knochenwachstum aus

Der Funktionsregler ist ein Beispiel für ein herausnehmbares funktionskieferorthopädisches Gerät, das im Kindesalter zur Behandlung von Wachstums- und Lageanomalien beider Kiefer eingesetzt werden kann. Im Wangen- und Lippenbereich (Mundvorhof) hält das Gerät Kunststoffteile vor, im Zungenraum wird der Patient dafür gar nicht beeinträchtigt und erfährt dadurch in der Regel auch keine Sprachstörung. Über eine Zugspannung der Weichteile wird letzten Endes ein Zug auf die Kieferknochenschleimhaut ausgeübt und dadurch das Knochenwachstum angeregt.

Das Gerät wurde vom deutschen Kieferorthopäden Rolf Fränkel erfunden und steht in drei Varianten zur Verfügung. Mit den Funktionsreglern der Typen 1 und 2 werden vor allem Unterkieferrücklagen behandelt. Der dritte Typ ist für die Behandlung der Progenie (die unteren Schneidezähne beißen über die oberen) entwickelt worden. Hierbei wird vor allem das Knochenwachstum im Oberkiefer bzw. im Mittelgesicht angeregt. Die Behandlungsdauer mit Funktionsreglern fällt meist länger aus, als mit rein mechanisch wirkenden Geräten, dafür fällt aber auch die Stabilität der Ergebnisse langfristig besser aus. Beim Einsatz eines Funktionsreglers kann bei Bedarf begleitend auch logopädisch behandelt werden.