Keine Zeit ist kein Argument

Keine Zeit für Sport? Ein Versuch ist es wert! (Foto: Dmitriy Melnikov / Fotolia)
Keine Zeit für Sport? Ein Versuch ist es wert! (Foto: Dmitriy Melnikov / Fotolia)

(Fast) jeder schafft es, zweimal 30 Minuten Krafttraining in seinen Alltag zu integrieren

(dbp/auh) Mehr Bewegung ist der wichtigste Faktor zur Vermeidung von Rückenschmerzen. Bei der Behandlung von Rückenleiden teilen sich Bewegungs- und Schmerztherapie die vordersten Ränge.

Die gesundheitsfördernde Wirkung von regelmäßigem Muskeltraining ist nicht nur bei Rückenleiden, sondern auch bei anderen „Volkskrankheiten“ wissenschaftlich gut belegt, etwa bei Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Osteoporose. Unbestritten ist mittlerweile auch die positive Wirkung des Muskeltrainings zur nachhaltigen Reduktion des Körperfettanteils.

Trotz dieser Erkenntnisse gilt für viele Sportmuffel das Gefühl, keine Zeit für ein regelmäßiges Training zu haben, als wichtigstes Hemmnis für den Einstieg in den gesundheitsorientierten Freizeitsport. Eine „zeitökonomische Analyse“ der Sporthochschule Köln mit mehr als 10.000 Teilnehmern entkräftet nun endgültig dieses Hauptargument für sportliche Inaktivität.

Bundesweite Studie in mehr als 300 Fitness-Studios

Die bundesweite Aktion im vergangenen Sommer war nicht zu übersehen: Überall hingen die Werbeplakate mit dem Slogan „2x30Minuten“. In mehr 300 Fitness-Studios in ganz Deutschland konnte jeder ab 16 Jahre vier Wochen lang kostenlos trainieren – aber eben nur zweimal 30 Minuten in der Woche und lediglich bestimmte, vorgegebene Trainingseinheiten. Konzipiert, überwacht und ausgewertet wurde die Studie vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Für die Übungen wurde ein Krafttrainingsprogramm (in Anlehnung an eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2007 an der Uni Bayreuth) nach Wend-Uwe Boeckh-Behrens und Professor Wolfgang Buskies gewählt. Das Programm dient nicht nur der körperlichen Leistungssteigerung und Körperformung, sondern geht auch mit positiven psychischen Effekten einher. Es handelt sich um sechs Übungen, bei denen nahezu alle großen Muskelgruppen des Körpers trainiert werden: Brustpressen, Rudern im Sitz, Reverse Flys, Beinpressen, Beinbeugen und Bauchpressen.

Nach nur vier Wochen spürbare Effekte

Das vierwöchige Training wirkte sich nicht nur positiv auf die körperliche Fitness und das Aussehen aus, sondern auch auf das subjektive Wohlbefinden und die Gesundheit der Probanden. Bei dieser Studie ging es aber gar nicht darum herauszufinden, ob so wenig Zeitaufwand für ein messbar gesundheitsförderndes Ergebnis genügt. Denn das ist seit langem bekannt und wurde bereits in zahlreichen Untersuchungen belegt. Es ging den Kölner Wissenschaftlern vielmehr um den Faktor Zeit: Wie gelingt es Menschen, die angeblich keine Zeit für Sport haben, das Training dennoch in ihren Alltag zu integrieren?

Und sie haben doch Zeit!

Die Probanden mussten vor Beginn und nach Abschluss des vierwöchigen Trainings einen Fragebogen ausfüllen. Sie wurden unter anderem nach dem Grund gefragt, warum sie bisher nicht in einem Fitness-Club trainieren. „Keine Zeit“ sagten vorher 35,7 Prozent, nachher nur noch 9,1 Prozent. Was war in der Zwischenzeit geschehen? Ein klassischer Fall von „learning by doing“! Die Fitness-Neulinge haben einfach in unterschiedlichem Maß bei anderen Beschäftigungen Zeit „abgezwackt“.

Und das, obwohl der tatsächliche Zeitaufwand etwa dreimal größer war als die 30 Minuten reines Training an den Geräten. Insgesamt haben die Probanden für den kompletten Fitness-Club-Besuch 90 Minuten benötigt. Davon entfielen eine knappe halbe Stunde auf die An- und Abfahrt und mehr als 20 Minuten wurden für Einchecken, Umziehen, Duschen und Plaudern verwendet.