Keine Extrawurst für Diabetiker

Für Diabetiker gelten keine Speisenverbote. (Foto: Rainer Sturm / Pixelio)
Für Diabetiker gelten keine Speisenverbote. (Foto: Rainer Sturm / Pixelio)

Nicht rauchen, viel bewegen und weniger naschen – das ist gut für alle

(dbp/auh) Viele Diabetiker sind verunsichert, wenn es um das Thema gesunde Ernährung geht. Das ist zwar verständlich, aber es muss nicht sein. Für Menschen mit Diabetes gelten keine anderen Ernährungs- und Lebensstilempfehlungen als für Gesunde. Das teilt das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) mit Verweis auf eine Publikation in der Fachzeitschrift „Diabetologia“ mit.

Die Autoren um Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Diewertje Sluik vom DIfE forschten nach, ob sich die Zusammenhänge zwischen Lebensstilfaktoren und Sterblichkeitsrisiko zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes unterscheiden. Als Datenbasis zogen sie die EPIC-Studie heran. EPIC ist das Akronym für „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“, so heißt eine der größten europäischen Ernährungsstudien, die seit 1992 die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und dem Entstehen chronischer Krankheiten untersucht.

Ungünstig: Müßiggang und Margarine

Dr. Sluik und ihre Kollegen untersuchten die Daten von 6.384 EPIC-Studienteilnehmern mit und 258.911 ohne Diabetes. Die Auswertung ergab, dass in beiden Gruppen die gleichen Faktoren das Sterblichkeitsrisiko beeinflussen. Im Klartext: Was den Gesunden krank macht, ist auch für Diabetiker schlecht: Rauchen, zu wenig Bewegung, zu viel Alkohol, Übergewicht, zu wenig Gemüse und zu viel Wurst, Butter und Margarine. Interessant: Bestimmte Nahrungsmittel, die als gesund gelten, wirken sich bei Diabetikern noch positiver auf die Gesundheit aus als bei Menschen ohne Diabetes. Zu diesen Lebensmitteln zählen Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Nudeln, Geflügel und Pflanzenöl.

„Mit dieser Studie haben wir einen weiteren Hinweis bekommen, dass eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise vielfältige positive Wirkungen besitzt und dass diese Einsicht auch für schon Erkrankte gilt“, sagt Co-Autor Heiner Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE. Folgt man den Ergebnissen der Untersuchung, so lohnt es sich für Diabetiker sogar noch mehr, den allgemeingültigen Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise zu folgen.

Fruchtzucker macht fett, nicht satt

Das heißt unter anderem: Fertigprodukte meiden, die mit Fruchtzucker gesüßt sind! Leider wurde dieser Zuckeraustauschstoff früher Diabetikern empfohlen, da er insulinunabhängig verstoffwechselt wird. Es stimmt: Fructose hebt den Blutzuckerspiegel kaum an. Allerdings: Fruchtzucker wird in der Leber abgebaut und steigert die Fettproduktion. Außerdem entsteht durch Fructose – anders als bei gewöhnlichem Haushaltszucker – kein Sättigungsgefühl.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat bereits im Frühjahr 2009 in einer Stellungnahme vor der verstärkten Aufnahme von Fructose gewarnt, sowohl über industriell gefertigte Lebensmittel als auch über mit Fruchtzucker gesüßte Getränke. Dabei sollte man nicht nur an Limonade und Eistee denken: Fructose kann auch im angeblich gesunden „Wellness-Wasser“ schwimmen. Laut BfR steigert Fructose (in großen Mengen) das Risiko für Übergewicht, erhöhte LDL-Cholesterin- und Blutfettwerte (Triglyceride) sowie für die Entstehung der nicht-alkoholbedingten Fettleber.

Diese Warnungen dürfen aber nicht dazu führen, dass auf den täglichen Genuss von frischem Obst und Gemüse verzichtet wird. Nur: Auf die Menge sollte man achten. Nicht nur als Diabetiker.