Keine Angst vorm Osterei

Bunte Cholesterinbömbchen ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen. (Foto: detailblick / Fotolia)
Bunte Cholesterinbömbchen ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen. (Foto: detailblick / Fotolia)

Eier – egal wie viele – haben bei Gesunden keinen Einfluss auf den Cholesterinspiegel

(dbp/auh) Wer schon mal versucht hat, seinen Cholesterinspiegel zu senken, indem er überhaupt keine Eier und andere cholesterinhaltige Lebensmitteln mehr gegessen hat, der weiß, dass das nicht klappt. Warum eigentlich nicht?

Warum haben Eier keinen Einfluss auf den Cholesterinspiegel?

Weil Cholesterin, das mit der Nahrung aufgenommen wird, nicht eins zu eins im Blut landet. Es gibt sogar Menschen, die auf eine erhöhte Cholesterinzufuhr mit einer Senkung des Cholesterinspiegels im Blut reagieren. Das ist sicher die Ausnahme, aber bei immerhin 80 bis 85 Prozent der Bevölkerung funktioniert die körpereigene Cholesterinsynthese, die darauf ausgerichtet ist, die Bilanz zwischen Aufnahme und Ausscheidung auszugleichen. In der Regel wird sogar mehr Cholesterin ausgeschieden als aufgenommen. Denn der Körper produziert das Cholesterin, das er braucht, selbst. Ansonsten gäbe es keine gesunden Veganer; reine Pflanzenkost enthält nämlich kein Cholesterin.

Heißt das, Cholesterin ist gesund?

Ja, aber nicht das aus der Nahrung. Das spielt bei Gesunden schlicht keine Rolle. Bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Herzkrankheiten kann das anders sein. „Wahrscheinlich“, so Professor Dr. med. Helmut Gohlke von der Deutschen Herzstiftung, gehören Patienten, die bereits Verengungen der Herzkranzgefäße haben, „überwiegend zu denjenigen, deren körpereigene Cholesterinproduktion bei vermehrtem Cholesterinkonsum nicht ausreichend absinkt.”

Das körpereigene Cholesterin hat eine große Bedeutung für die Gesundheit. Es ist so wichtig, dass es in jeder Körperzelle produziert werden kann. Hauptsächlich wird es in der Leber gebildet. Viele lebenswichtige Substanzen entstehen auf der Basis von Cholesterin, darunter Gallensäuren, sämtliche Sexualhormone, Vitamin D und Steroidhormone wie das Cortisol.

Was ist dann so schlimm am hohen Cholesterinspiegel?

Der Cholesterinexperte Professor Dr. med. Hans-Jürgen Holtmeier soll einmal gesagt haben: „Gesunde Menschen sollten einen Cholesterinspiegel unter 300 mg/dl gar nicht beachten.“ Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Wer seinen Cholesterinspiegel messen lassen möchte (das kann man auch in der Apotheke), der sollte darauf bestehen, dass nicht nur die Gesamtmenge, sondern der Anteil an LDL- und HDL-Cholesterin ermittelt wird. Wichtig ist das Verhältnis der beiden zueinander, es sollte bei Gesunden unter 4 liegen. Beispiel: Liegt der LDL-Wert bei 160 mg/dl und der HDL bei 40 mg/dl, ist der Quotient genau 4. Besser wäre etwas mehr HDL.

Also ist LDL-Cholesterin das Problem?

Nein, das LDL ist nicht von sich aus „böse“. Aber es reagiert sehr empfindlich auf schädliche Einflüsse. Oxidiertes LDL-Cholesterin kann sich an den Arterienwänden als Plaque ablagern und im Extremfall zu Gerinnseln führen: Ein Herzinfarkt droht. „Ohne oxidativen Stress ist das Cholesterin sozusagen unschuldig“, fasst der Hamburger Arzt Dr. Knut Sroka in seinem Buch „Herzinfarkt – neue Wege“ zusammen.

Wer Gefäßkrankheiten vorbeugen möchte, sollte – statt auf Eier zu verzichten – oxidativen Stress vermeiden und mit Antioxidanzien gegensteuern. Zu Deutsch: nicht rauchen, nicht zu viel Alkohol trinken, Schadstoffe meiden, vitaminreiche Frischkost bevorzugen und regelmäßig körperlich aktiv sein.