Keine Angst vor der Weihnachtsgans

Eine Portion Gänsebraten mit Soße, Knödel und Rotkohl hat etwa 1.500 Kalorien. (Foto: Foodinaire / Fotolia)
Eine Portion Gänsebraten mit Soße, Knödel und Rotkohl hat etwa 1.500 Kalorien. (Foto: Foodinaire / Fotolia)

Ernährungsexperten raten zu mehr Genussfähigkeit und Gelassenheit

(dbp/auh) Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Trotzdem geht von den kalorienschweren Festtagsgenüssen eine natürliche Bedrohung für die schlanke Taille aus. Wer sich dem tagelangen Schlemmen hemmungslos hingibt und dabei auf jede vermeidbare Bewegung verzichtet, wird sehr wahrscheinlich etwas runder ins neue Jahr starten.

„Das knuddelige Polster ist einfacher zu bekommen, als viele glauben“, erklärt Heidrun Schubert, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern. Sie rechnet vor, dass eine normale Portion Gänsebraten mit den klassischen Beilagen, dazu ein einziges Glas Rotwein, danach ein Dessert und zum Abschluss ein winziges Schnäpschen mit mehr als 2.100 Kalorien zu Buche schlägt. Jedes weitere Glas Wein bringt rund 200 Kalorien mehr. Noch ein kleines Tiramisu? Macht zusätzliche 400 Kalorien.

Keine Verbote

Ernährungsexpertin Schubert rät allen, die zwar genießen wollen, aber gut auf kneifende Hosenbünde verzichten können, zu Gelassenheit. Vor allem sollten sie sich keine rigiden Speisenverbote auferlegen. „Verbote warten nur darauf, gebrochen zu werden“, weiß die Fachfrau. Auch den ganzen Tag zu hungern, um dann abends richtig zuzulangen, hält sie für eine Milchmädchenrechnung. Ihr Credo: Wer sich Zeit nimmt, wer bewusst und mit großer Aufmerksamkeit genießt, kann sich auch an kleineren Portionen erfreuen.

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop hält die Angst vor der Weihnachtsgans ebenfalls für unbegründet. „Die Weihnachtsgans ist am Übergewicht völlig unschuldig, weil generell gilt: Einzelne Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen als dickmachende Buhmänner abzustempeln, ist wissenschaftlicher Nonsens“, so der Fachbuchautor („Hunger & Lust – Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz“).

Mit allen Sinnen genießen

Seine Empfehlung für die Feiertage: „Genießen Sie diese besondere Zeit mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten mit allen Sinnen, wie es Ihnen gefällt und gut schmeckt.“ Der Diplom-Ökotrophologe rechnet vor: „Um an den neun Tagen von Heiligabend bis Neujahr rein theoretisch zwei Kilo Körperfett zuzunehmen, müssten Sie 14.000 Kalorien über Ihre normale Mahlzeiten hinaus verspeisen. Das macht 1.555 Kalorien pro Tag mehr als sonst. Das macht niemand, das will und das schafft auch kein normaler Mensch“, ist sich Knop sicher.

Der Experte hat noch einen Rat für alle mit Figurproblemen: „Lassen Sie sich nicht von Ratschlägen zu gesunder Ernährung verrückt machen.“ Denn „Empfehlungen zu gesunder Ernährung und der Glaube an den Weihnachtsmann haben eines gemeinsam: Beide basieren nicht auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen, sondern auf Vermutungen, Überlieferungen und Wünschen.“ Auch die Entstehung von Übergewicht sei nicht eindimensional auf „falsche“ Ernährung zurückzuführen. Eine Vielzahl von Faktoren, darunter in erster Linie die genetische Veranlagung, sei dafür verantwortlich.

Essen nicht als Seelentröster nutzen

Ebenfalls großen Einfluss hat laut Knop das „emotional eating“. Fast jeder kennt das: Essen und Trinken erfüllen in unserer Überflussgesellschaft oft ganz andere Funktionen als das Stillen von „echtem“ Hunger und realem Durst. Wir essen aus Frust, Kummer, Langeweile, Stress oder aufgrund traumatischer Erlebnisse. Die gute Nachricht: Die meisten Menschen wissen, wann sie wirklich Hunger haben. Darin, so Knop, könnte der „Schlüssel zum Wunschgewicht“ liegen: „Eliminieren Sie die Gründe Ihres hungerfreien Essens. Essen Sie stattdessen nur noch bei echtem Hunger und einige überflüssige Kilos verschwinden sicher von ganz allein“, empfiehlt Knop.