Keine Angst vor der festen Spange

Zahnspangen sind für viele Kinder und Jugendliche eine Selbstverständlichkeit. (Foto: auleena / Fotolia)
Zahnspangen sind für viele Kinder und Jugendliche eine Selbstverständlichkeit. (Foto: auleena / Fotolia)

Moderne Bracket-Zahnspangen haben Vorteile gegenüber herausnehmbaren Apparaturen

(dbp/auh) Früher war nicht alles besser. Die Zeiten, in denen Kinder gehänselt wurden, weil sie eine Brille oder eine Zahnspange trugen, sind Gott sei Dank vorbei. Heute werden etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen kieferorthopädisch behandelt und Zahnspangen mit schicken Brackets sind bei manchen von ihnen fast schon ein Statussymbol.

Dennoch halten sich – zumindest in der Elterngeneration – immer noch einige Vorurteile gegenüber festsitzenden Apparaturen. So fürchten viele, dass die Klammern (englisch: brackets), die auf die Zähne geklebt werden, langfristig der Zahnsubstanz schaden. Oder sie haben Bedenken, dass die Spange ihr Kind beim Sprechen und Essen behindert. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) klärt auf:

Sorgfältige Mundhygiene ist wichtig

Die Zahn- und Mundgesundheit kann tatsächlich beeinträchtigt werden, allerdings nicht durch die Brackets oder den Drahtbogen, der sie verbindet, sondern wegen der „Schmutznischen“, in denen sich Bakterien gut vor der Zahnbürste verstecken können. Im Klartext: Träger von festen Spangen müssen deutlich mehr Zeit und Sorgfalt in die Zahnpflege investieren. „Bei nicht optimaler Mundhygiene kann es zu Schmelzschädigungen, Karies und Entzündungen der Mundschleimhaut kommen“, erklärt Professorin Dr. Bärbel Kahl-Nieke, Vorsitzende der DGZMK.

Festsitzende Apparaturen sind deshalb für „unzuverlässige Patienten“ keineswegs besser geeignet als herausnehmbare. Das ist laut der Expertin ein weitverbreiteter Irrtum und basiert auf der Tatsache, dass man feste Spangen nicht verlieren oder vergessen kann. Wegen der erschwerten Reinigungsmöglichkeit sei aber eine sehr gute Mitarbeit und Zuverlässigkeit der Patienten gefragt.

Jede Spange ist ein Fremdkörper

Und wie sieht es mit eventuellen Einschränkungen beim Sprechen oder Essen aus? Jede Spange ist ein Fremdkörper im Mund. Doch werden die Behinderungen bei einer herausnehmbaren Apparatur meist als wesentlich größer empfunden. Essen kann man damit in der Regel gar nicht. Deshalb tragen viele Kinder und Jugendliche ihre Spange nur nachts und erreichen damit oft nicht die empfohlene Tragedauer. Wenn dadurch das Behandlungsziel nicht erreicht wird, kommt womöglich doch noch eine festsitzende Spange zum Einsatz.

Das Sprechen wird durch Brackets, die an der Außenseite der Zähne sitzen, nicht beeinträchtigt. Beim Essen sollte man aber etwas vorsichtig sein: Sehr harte Lebensmittel können zum Abbrechen der Brackets führen.

Bei der Wahl des kieferorthopädischen Behandlungsgeräts spielen individuelle Vorlieben der Patienteneltern keine Rolle. Stattdessen sind laut DGZMK folgende Faktoren ausschlaggebend: das Ausmaß der Fehlstellung, das Alter und der Allgemeinbefund des Patienten, die Zahl der vorhandenen bleibenden Zähne sowie die Mundhygiene.

„Grundsätzlich erfordern alle körperlichen Zahnbewegungen den Einsatz einer festsitzenden Apparatur. Die Aufrichtung von gekippten Zähnen, die Korrektur von gedrehten Zähnen, ein Lückenschluss nach Entfernung von Zähnen sowie die gezielte Bewegung der Zahnwurzeln ist nur mit einer festsitzenden Apparatur möglich“, erklärt Kahl-Nieke.