Kein Nachweis für Krebsrisiko durch Kosmetika

Laut BUND enthält fast jedes vierte Körperpflegeprodukt Methylparaben, ein Konservierungsmittel mit hormonähnlicher Wirkung. (Foto: auremar / Fotolia)
Laut BUND enthält fast jedes vierte Körperpflegeprodukt Methylparaben, ein Konservierungsmittel mit hormonähnlicher Wirkung. (Foto: auremar / Fotolia)

In Hautpflegeprodukten können hormonell wirksame Chemikalien stecken

(dbp/auh) „Parabenfrei“ steht auf der Flasche mit Körperlotion, das Haarshampoo kommt „ohne Silikon“ aus und die Hautcreme ist „frei von Mineralölen“. Immer mehr Kosmetikprodukte werben auch mit dem Verzicht auf Emulgatoren, Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe. Für Allergiker und Menschen mit empfindlicher Haut ist dieser Trend sicher begrüßenswert. Aber sind solche Inhaltsstoffe auch für gesunde Anwender problematisch oder sogar krebserregend?

Sehr hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Frauen durch die Verwendung von Deos mit Aluminiumsalzen ihr Brustkrebsrisiko erhöhen. Tatsächlich gibt es Studien, die einen solchen Zusammenhang nahelegen. Allerdings, so die Stiftung Warentest (www.test.de) in einem ausführlichen Internet-Beitrag zum Thema, gebe es auch Studien, die zum gegenteiligen Ergebnis kommen.

Aluminium: harmlos oder gefährlich?

Der Krebsinformationsdienst (KID) teilt mit, dass die Mehrzahl der Wissenschaftler keinen Beweis dafür finden konnte, dass Aluminium und seine chemischen Verbindungen das Krebsrisiko steigern. Und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt bezüglich eines allgemeinen Gesundheitsrisikos von Aluminium (von Krebs ist beim BfR keine Rede!) zu dem Schluss: „Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Daten scheint eine abschließende Beurteilung momentan (…) nicht möglich.“

Verbraucherinnen, die auf Nummer sicher gehen möchten, können auf Deos ausweichen, die keine Aluminiumverbindungen enthalten. Diese Produkte hemmen allerdings meist nur die Geruchsbildung, nicht den Schweißfluss.

Plastik kann Hormonsystem stören

Bei einer anderen Stoffgruppe ist die Beurteilung des gesundheitlichen Risikos noch komplizierter: Sogenannte „hormonell wirksame Substanzen“ befinden sich nämlich nicht nur in Kosmetikprodukten, sondern beispielsweise auch in Lebensmittelverpackungen (Plastikflaschen, Glasdeckelbeschichtungen), Spielzeug und vielen anderen Gebrauchsgütern. Darüber hinaus gelangen die hormonell aktiven Chemikalien über Pflanzenschutzmittel in die Nahrung.

„Tatsächlich weisen Wissenschaftler im menschlichen Blut regelmäßig eine ganze Reihe hormonell wirksamer Chemikalien nach, darunter auch Parabene und UV-Filter aus der Kosmetik“, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Krebsrisiko von Schadstoffen wird angeblich überschätzt

Von einigen dieser Substanzen geht nachweislich eine Störung des Hormonsystems aus. Ob aber der Hormoncocktail, den sich die meisten Menschen täglich unbewusst einverleiben, einen Einfluss hat auf die Entstehung von hormonbedingten Krebsarten? Dafür gibt es bisher weder eindeutige Belege noch Gegenbeweise. Als Risikofaktoren für Brustkrebs werden diese Stoffe im aktuellen Bericht „Krebs in Deutschland“ gar nicht erwähnt. An anderer Stelle der Publikation teilen die Autoren (maßgeblich das Robert-Koch-Institut) mit, dass viele Deutsche das Krebsrisiko überschätzen, das von Schadstoffen aus der Umwelt ausgeht.

Für alle, die trotzdem lieber auf hormonähnliche Substanzen in Shampoo, Körperlotion und Duschgel verzichten möchten, hat der BUND eine App für iPhones entwickelt. „ToxFox“ ermittelt über den Strichcode des Produkts, ob es frei von hormonell wirksamen Chemikalien ist. Wer kein iPhone hat, aber trotzdem wissen will, ob östrogenähnliche Stoffe in Babys Shampoo stecken, kann das auch im Internet überprüfen. Mehr dazu unter www.bund.net/toxfox.

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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Der Kosmetik-Check, Studie zu hormonell wirksamen Stoffen in Kosmetika, Berlin 2013, www.bund.net/toxfox; Stiftung Warentest: Aluminium in Deos: Schweißhemmend und umstritten, 12.07.2013, www.test.de/Aluminium-in-Deos-Schweisshemmend-und-umstritten-4570934-0/; Online-Informationen des Krebsinformationsdienstes (KID), www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/mythen.php; Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „8. Sitzung der BfR-Kommission für kosmetische Mittel. Protokoll der Sitzung vom 23. November 2011“, darin: Tagesordnungspunkt 17: 17 Aluminium in Antitranspirantien; Heribert Wefers, Patricia Cameron und Sarah Häuser: "Chemikalienbelastung von kindernahen Produkten - Hormoncocktail macht Kinder krank", in: umg (umwelt medizin gesellschaft) 2/2010, zit. nach: www.schattenblick.de/infopool/medizin/fachmed/mz1um211.html; alle Seiten abgerufen im Januar 2014