Katarakt-OP ist die häufigste Operation überhaupt

Intraokularlinsen wie diese ersetzen bei der Kataraktoperation die getrübte Linse. (Foto: BVMed)
Intraokularlinsen wie diese ersetzen bei der Kataraktoperation die getrübte Linse. (Foto: BVMed)

Für den „Grauen Star“ gibt es keine andere Behandlungsmöglichkeit

(dbp/auh) Als „grauen Star“ oder „Katarakt“ bezeichnet man die Eintrübung der Augenlinse. Die Katarakt ist eine sehr häufige Alterserscheinung. Mehr als 90 Prozent der 75-Jährigen sind betroffen, etwa jeder Zweite fühlt sich davon im Alltag beeinträchtigt.

„Bis jetzt gibt es keine konservativen, also nicht-operativen Mittel, um eine Katarakt zu verhindern, zu verzögern oder die Trübung rückgängig zu machen. Die einzige Möglichkeit für die Patienten wieder besser zu sehen, ist die Operation, bei der die trüb gewordene Linse gegen ein Kunststoffimplantat ausgetauscht wird“, erläuterte Professor Gerhard K. Lang beim jüngsten Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD).

Geringe Komplikationsrate

Professor Lang, Facharzt für Augenheilkunde, leitet seit 25 Jahren die Universitäts-Augenklinik in Ulm. Beim AAD-Kongress in Düsseldorf im März 2015 stellte er die Kataraktoperation in ihrem besonderen Spannungsfeld dar. Auf der einen Seite ist sie die häufigste Operation überhaupt: In Deutschland wird sie pro Jahr zwischen 650.000 und 800.000 Mal ausgeführt – mit steigender Tendenz aufgrund der prognostizierten demographischen Entwicklung, sagte er. Auch ist die Komplikationsrate mit den heutigen Verfahren äußerst gering. Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA) können mehr als 90 Prozent der Operierten nach dem Eingriff wesentlich besser sehen als vorher.

Lang: „Dank hoher technischer Standards, bestens geschulter Operationsteams, ausgereifter Instrumente und biokompatibler Implantate ist der Eingriff sehr sicher. Er wird in der Regel ambulant ausgeführt, das heißt, die Patienten können nur wenige Stunden nach dem Eingriff wieder nach Hause zurückkehren.“ Ist der Graue Star die alleinige Augenerkrankung, und hat die Netzhaut noch keine altersbedingten Schäden, so führt die Operation so gut wie immer zum Erfolg, teilt der BVA mit.

Realistische Erfolgsaussichten

Doch auf der anderen Seite können nicht immer alle Wünsche des Patienten erfüllt werden. „Mit einem sehr guten Ergebnis ist leider nicht zu rechnen, wenn der Patient zusätzlich von einer anderen Augenkrankheit betroffen ist“, so der BVA. Im höheren Alter ist das häufig der Fall. „Möglicherweise hat ein Glaukom bereits den Sehnerv geschädigt oder eine Makuladegeneration schwächt die Sehkraft. Auch seltenere Krankheiten wie eine Netzhautablösung, eine Entzündung im Augeninneren (Uveitis) oder ein Schwund des Sehnervs (Optikusatrophie) sollten ausgeschlossen werden“, so Professor Lang.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollten die Erfolgsaussichten ehrlich besprochen werden, die sich aus den Voruntersuchungen ergeben. „Liegt beispielsweise eine Makuladegeneration vor, aufgrund derer der Patient nicht mehr lesen kann, dann wird er nach der Kataraktoperation zwar alles klarer und deutlicher sehen – aber lesen wird er auch dann nicht können.“ Professor Lang weist aber auch auf eine erfreuliche Situation hin: „Patienten, die ihr Leben lang wegen einer Hornhautverkrümmung eine Brille tragen mussten, können nach der Implantation einer torischen Intraokularlinse vielleicht sogar besser sehen als in der Jugend.“

Große Linsenvielfalt

Und so entscheiden sich die Patienten: 95 Prozent erhalten heute eine monofokale Intraokularlinse (IOL), mit der scharfes Sehen entweder in der Ferne oder in der Nähe möglich ist. Darunter sind auch sogenannte „Premium-IOL“, zum Beispiel die asphärische IOL, die ein verbessertes Kontrastsehen ermöglicht, oder die sogenannte Blaufilter-IOL, die zusätzlich zum standardmäßig vorhandenen UV-Schutz mit einem Blaulichtfilter ausgestattet ist. 2,3 Prozent der Patienten nutzen die Möglichkeit, ihre Hornhautverkrümmung mithilfe von torischen Linsen zu korrigieren. Und 1,9 Prozent entscheiden sich für Multifokallinsen, um nicht nur den Grauen Star, sondern auch die Presbyopie (Alterssichtigkeit) auszugleichen.

Sogar eine Kombination aus torischer und multifokaler Optik ist bei modernen IOL möglich, so dass für jeden Patienten die individuell optimale Lösung gefunden werden kann.

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