Kassenwechsel mit Weitblick vornehmen

132 gesetzliche und 46 private Krankenversicherungen gibt es in Deutschland. (Foto: styleuneed / Fotolia)
132 gesetzliche und 46 private Krankenversicherungen gibt es in Deutschland. (Foto: styleuneed / Fotolia)

Nachgeforscht: Welche Möglichkeiten gibt es beim Wechsel der Krankenkasse?

(dbp/auh) Privat oder gesetzlich – spätestens, wenn die Berufswahl abgeschlossen ist, stellt sich diese Frage für die wenigsten Deutschen. Für Beamte und Beamtenanwärter ist die Private Krankenversicherung (PKV) in der Regel die beste Wahl. Denn anders als Selbstständige und Freiberufler, die sich privat versichern, bekommen Beamte vom Staat eine sogenannte Beihilfe. Für Staatsdiener bedeutet das: volle Leistungen bei viel weniger Kosten.

Wer als Arbeiter oder Angestellter in die PKV möchte, muss eine recht hohe Hürde überspringen: Erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 53.550 Euro (Stand: 2014) besteht die sogenannte Versicherungsfreiheit. Wer weniger verdient, unterliegt der Versicherungspflicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das trifft nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden auf rund 89 Prozent dieser Beschäftigten in Deutschland zu.

Wechsel innerhalb der GKV

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei den mehr als 130 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland annähernd gleich. Es gibt einen einheitlichen Beitragssatz von zurzeit 15,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, der nur bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 4.050 Euro monatlich erhoben wird. Auch die Leistungen sind gesetzlich festgelegt und daher „zu etwa 95 Prozent gleich“, so der Bund der Versicherten. Individuelle Gründe für den Wechsel innerhalb der GKV betreffen also in der Regel die restlichen fünf Prozent: Unterschiede im Service (Erreichbarkeit, Freundlichkeit) und bei den freiwilligen Zusatzleistungen, etwa die Kostenübernahme von innovativen oder alternativen Behandlungsmethoden.

Der Wechsel von einer zu einer anderen gesetzlichen Kasse ist denkbar einfach. Vorausgesetzt, man war mindestens 18 Monate bei der „alten“ Kasse versichert, kann man ihr mit einer Frist von zwei Monaten zum Ende des Kalendermonats schriftlich (Postkarte, Brief oder Fax) kündigen. Ganz wichtig: Auf die Kündigungsbestätigung warten, die nach spätestens 14 Tagen eingegangen sein muss. Mit diesem Schreiben und natürlich dem ausgefüllten Aufnahmeantrag geht es nun zur neuen Kasse, an die man sich dann wieder für mindestens 18 Monate bindet.

Beim Systemwechsel mögliche Folgen beachten

Ein Krankenkassenwechsel zwischen den Systemen GKV und PKV ist unter bestimmten Bedingungen durchaus möglich, allerdings sind damit meist zahlreiche unvorhergesehene Konsequenzen verbunden, die kein Laie vollständig überblicken kann. Wer also einen „Systemwechsel“ plant, sollte sich zuvor individuell von einem unabhängigen Sozialversicherungsexperten beraten lassen. Was jeder wissen sollte: Ein Wechsel von der PKV in die GKV ist im Alter (bereits ab 55 Jahren!) nur noch in seltenen Ausnahmefällen möglich.

Tarifwechsel statt Kündigung

Für langjährig Privatversicherte, die wegen steigender Beiträge einen Austritt aus der PKV erwägen, ist ein Tarifwechsel in der Regel die bessere Lösung. Laut dem 1a-Verbraucherportal sollte man aber auf keinen Fall ohne Not in den Basistarif wechseln. Unter www.1a.net/vergleich/pkv-tarifwechsel bietet das Portal eine individuelle Tarifoptimierung an.

Keine Kasse – auch keine private – darf säumigen Zahlern kündigen. Ist die finanzielle Situation des Versicherten so prekär, dass er sich auch den günstigsten Tarif nicht mehr leisten kann, und sind bereits über mehrere Monate Zahlungsrückstände aufgelaufen, so kann ihn die Versicherung in den sogenannten Notlagentarif einstufen. Die Prämie beträgt etwa 100 bis 125 Euro, die Leistungen sind dürftig. Bezahlt werden nur Behandlungen, die für akute Erkrankungen, Schmerzen und in der Schwangerschaft erforderlich sind.

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