„Junge Pflege“ ist anders

Junge Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen brauchen mehr Therapie und eine andere Form der Betreuung als Senioren. (Foto: belahoche / Fotolia)
Junge Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen brauchen mehr Therapie und eine andere Form der Betreuung als Senioren. (Foto: belahoche / Fotolia)

Wenn junge Erwachsene pflegebedürftig werden, brauchen sie differenzierte Betreuung

(dbp/auh) Jeder kann jederzeit zum „Pflegefall“ werden. In Deutschland leben etwa 336.400 pflegebedürftige Menschen unter 60 Jahren, davon rund 34.400 in einer stationären Einrichtung. Die Ursachen für eine Pflegebedürftigkeit im jungen Erwachsenenalter sind vielfältig. Ein Teil ist von Geburt an schwerbehindert, ein anderer ist nach einem Unfall, einer Vergiftung oder einem Schlaganfall nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Andere Gründe sind Krankheiten, die das Nervensystem zerstören, wie Chorea Huntington, Multiple Sklerose oder Amyotrophe Lateralsklerose.

„Fehlplatzierung“ in der Altenpflege

Viele dieser erwachsenen Menschen, die nicht zu Hause betreut werden können, leben mangels Alternative immer noch im Kinderheim oder ziehen als „Notlösung“ in ein Altenpflegeheim. Wie viele, darüber gibt es nur Schätzungen. Hochrechnungen auf der Basis regionaler Untersuchungen kommen auf bis zu 20.000. „Fehlplatzierung“ nennen das Experten. Denn diese Patienten haben ganz andere Bedürfnisse als Senioren. Ohne speziell ausgebildetes Personal bekommen die jungen Bewohner keine angemessene Pflege.

Einige Altenpflegeheime bieten neben der Seniorenbetreuung in getrennten Wohnbereichen diese besondere Pflege an. „Junge Pflege“ nennen die meisten Träger ihr Konzept. Ein Beispiel ist das private Unternehmen „Alloheim Senioren-Residenzen“, das bundesweit mehr als 50 stationäre Pflege-Einrichtungen mit insgesamt rund 6.000 Betten unterhält. An mehreren Standorten in Hessen und Nordrhein-Westfalen bietet Alloheim zurzeit insgesamt 200 Pflegeplätze für Menschen von 18 bis 65 Jahren an.

Mehr Personal, mehr Therapie, andere Angebote

„Junge Pflegebedürftige brauchen eine adäquate Versorgung und die sieht nun mal ganz anders aus, als bei alten Menschen“, erklärt Johannes Knake, Alloheim-Regionalleiter in Düsseldorf. Sie brauchen mehr und speziell ausgebildetes Personal, mehr Ergo- und Physiotherapie, andere Freizeitangebote, eine andere räumliche Umgebung und nicht zuletzt anderes Essen. Zum einen leiden die jungen Bewohner unter Krankheiten oder Behinderungen, die viel mehr Behandlungspflege erfordern, zum Teil sogar Intensivpflege bei Patienten, die eine permanente Beatmung brauchen.

Der andere Unterschied zu den Senioren: „Wir gestalten mit den jungen Menschen ihr ganzes Leben, also mehrere Jahrzehnte, und nicht nur den letzten Lebensabschnitt“, so Knake. Lediglich in glücklichen Einzelfällen trete nach wenigen Jahren eine derartige Verbesserung ihres Gesundheitszustands ein, dass sie wieder zu Hause leben können.

Hirnschäden durch Krankheit oder Unfall

Auch bei „Kursana“, die knapp 100 Einrichtungen bundesweit betreibt, können junge Erwachsene stationär betreut werden. In vier Domizilen, drei in Niedersachsen und einem in Baden-Württemberg, bietet Kusana rund 50 spezielle Pflegeplätze an. Das Konzept von Kursana richtet sich vornehmlich an Menschen, die wegen einer akuten neurologischen Erkrankung oder chronischen Erkrankung oder nach einem schweren Unfall pflegebedürftig geworden sind.

In dem Wohnbereich für die „junge Pflege“ bietet ein gemeinschaftlich genutztes Wohnzimmer Raum für Kommunikation und gemeinsames Erleben. „In Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten sowie in enger Abstimmung mit den Bewohnern und deren Angehörigen entwickeln wir für jeden Bewohner ein individuelles Betreuungs- und Therapiekonzept und helfen ihm damit zurück auf die aktive Seite des Lebens“, erläutert Marco Skeirat, Leiter Zentrales Qualitätsmanagement bei Kursana. Die Domizile kooperieren auch mit Partnern, um die Zukunft der Bewohner neu zu gestalten und sie nach Möglichkeit wieder ins Berufsleben einzugliedern.