Jeden Tumor individuell bekämpfen

Die personalisierte Onkologie therapiert Krebspatienten mit zielgerichteten Medikamenten. (Foto: psdesign1 / Fotolia)
Die personalisierte Onkologie therapiert Krebspatienten mit zielgerichteten Medikamenten. (Foto: psdesign1 / Fotolia)

Die personalisierte Krebsmedizin ermöglicht eine maßgeschneiderte Therapie

(dbp/auh) Es gibt keine Therapie, die immer und bei jedem Menschen den gewünschten Heilerfolg bringt. Weil der Mensch keine Maschine ist, sondern ein lebendiger Organismus, der sich ständig verändert. Und vor allem: weil jeder Mensch anders ist.

Krebsforscher in aller Welt haben begonnen, diesen „Unsicherheitsfaktor“ als Chance zu begreifen. Sie haben sich auf den Weg gemacht, um zu verstehen, warum dieselbe Krankheit bei verschiedenen Patienten unterschiedliche Verläufe nimmt. Einer dieser Forscher ist der Neuropathologe Professor Otmar D. Wiestler. Der Hirntumor-Experte leitet seit zehn Jahren das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ).

Für jeden Patienten eine individuelle Therapie

Professor Wiestler erläutert, was dieser Forschungsansatz bedeutet: „Damit wird es möglich, maßgeschneiderte Behandlungsverfahren zu entwickeln und den Traum der Medizin, der seit Jahrhunderten besteht, wirklich umzusetzen: Für jeden Patienten genau die Behandlung anzubieten, die er und nur er auch braucht.“

Es gebe mehr als 200 verschiedene Krebsarten beim Menschen, da praktisch alle Gewebe und Organe betroffen sein könnten. Ein und dieselbe Krebserkrankung habe bei zwei Patienten oft unterschiedliche biologische Grundlagen. Insbesondere für Krebspatienten eröffnet die personalisierte Medizin daher bessere, weil zielgerichtete Therapien und damit größere Heilungschancen.

Zielgerichtete Medikamente

Schon heute werden in der Krebstherapie bei einzelnen Patienten spezifisch wirksame Medikamente eingesetzt. Allein für die Behandlung von Brustkrebs sind in Deutschland derzeit fünf zielgerichtete Wirkstoffe als Arzneimittel zugelassen. Diese Substanzen blockieren das Wachstum der Tumorzellen, in dem sie sich gegen bestimmte Strukturen richten, die bei einigen, aber nicht bei allen Krebspatientinnen vorhanden sind. Daher wird vor der Therapie anhand einer Gewebeprobe untersucht, ob der Einsatz des Medikaments sinnvoll ist.

Am Beispiel von Trastuzumab (Handelsname Herceptin) erläutert Professor Wiestler die Wirkung: Trastuzumab ist ein künstlich hergestellter Antikörper. Er bindet an ein Eiweißmolekül auf der Oberfläche der Krebszellen. Dieses Eiweißmolekül (der Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2) stimuliert das Zellwachstum. Trastuzumab blockiert das Molekül mit der Folge, dass die Krebszellen aufhören zu wachsen. Nur bei Patientinnen, die sehr viele HER2-Rezeptoren im Tumorgewebe aufweisen, wirkt dieser Antikörper. Das trifft auf 20 Prozent aller Brustkrebspatientinnen zu.

Herceptin ist nur eins von vielen zielgerichteten Krebsmedikamenten, die in den vergangenen Jahren entwickelt wurden. Wiestler: „Auch bei diesen Medikamenten ist es zunehmend so, dass man durch einen diagnostischen Test am Krebsgewebe des Patienten im Vorfeld bestimmen kann, wird es wirken oder nicht. Damit ist die Krebsmedizin in der Tat schon in der Ära angelangt, wo sie maßgeschneidert behandelt und zunehmend zu einer individualisierten Medizin wird.“