Je früher therapiert wird, desto besser

Bei Problemen mit Hämorrhoiden sollte man zeitig einen Arzt konsultieren. (Foto: absolutimages / Fotolia)
Bei Problemen mit Hämorrhoiden sollte man zeitig einen Arzt konsultieren. (Foto: absolutimages / Fotolia)

Nachgeforscht: Welche Operationsmethoden gibt es bei Hämorrhoidalleiden?

(dbp/nas) Hämorrhoiden sind eigentlich harmlos. „Unters Messer“ kommen sie nur, wenn sie anhaltende Beschwerden machen. Hämorrhoiden liegen zwischen Mastdarm und After und funktionieren wie ein Gefäßpolster, das der Abdichtung des Darmausgangs dient, erläutert Dr. Bernhard Strittmatter, Vorsitzender des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands. „Primär sind Hämorrhoiden also nichts Krankhaftes“, so der Spezialist. Allerdings können sie sich vergrößern und zu Beschwerden führen. Dann sollte man sie so früh wie möglich untersuchen und behandeln lassen.

Juckreiz, Brennen, Nässen, Blutungen – solche Symptome können von Hämorrhoiden hervorgerufen werden. Da das Beschwerdebild aber eher unspezifisch ist und auch auf andere, ernstere Krankheiten hindeuten kann, sollte es unbedingt abgeklärt werden, rät Dr. Strittmatter. Mit einer Enddarmspiegelung kann der Facharzt Hämorrhoiden diagnostizieren.

Methode richtet sich nach dem Grad des „Prolaps“

Dabei werden Schweregrade von I bis IV unterschieden, wobei I bedeutet, dass die Hämorrhoiden innerlich und nur leicht geschwollen sind, während IV einen Vorfall (Prolaps) bezeichnet, der nicht mehr manuell in den After zurückgeschoben werden kann. Bei Grad III und IV sowie bei anhaltenden Beschwerden hilft nur noch eine Operation, erklärt Dr. Strittmatter. Welche Methode dabei in Frage kommt, hängt davon ab, wie ausgeprägt der Prolaps ist.

Wenn es noch gut möglich ist, ihn zurückzuschieben, kommt zum Beispiel die Operation nach Longo in Frage, auch „anales Lifting“ genannt. Mit Hilfe eines speziellen Geräts wird die Schleimhaut im Enddarm oberhalb der Hämorrhoiden ringförmig ausgestanzt und dadurch gerafft. Da in dieser Region keine Nerven sitzen, ist diese Technik schmerzarm. Auch die HAL-Methode (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur) kann nur angewendet werden, wenn der Prolaps noch nicht ausgeprägt ist. Man umsticht dabei die Hämorrhoidalknoten, um die Blutzufuhr zu verringern und das Abschnüren der Arterien mit Nahtmaterial führt dazu, dass die Hämorrhoiden verkümmern.

Chirurgie mit Skalpell oder Laser

Am häufigsten werde aber nach wie vor eine Hämorrhoidektomie, also die chirurgische Entfernung der Hämorrhoiden durchgeführt, sagt der Experte. Es werden einzelne Segmente entfernt, die man radiär (strahlenförmig) wegschneidet, wobei die Wunde entweder offen verheilt (Verfahren nach Milligan-Morgen) oder vernäht wird (Verfahren nach Ferguson). Ob man ein Skalpell oder einen Laser verwendet, ist nach Aussage von Dr. Strittmatter für das Ergebnis übrigens nicht relevant. Bei Grad IV kann auch die Rekonstruktion des Analkanals (Methode nach Fansler-Arnold) nötig sein. Die Analhaut wird zunächst gelöst und nach dem Entfernen der Hämorrhoiden wieder ins Innere des Analkanals vernäht.

Damit es soweit erst gar nicht kommt, rät Dr. Strittmatter, so früh wie möglich zum Arzt zu gehen, denn je früher operiert wird, desto schonender und unkomplizierter lässt sich die OP gestalten. Bei Grad I oder II ist es möglich, die Hämorrhoiden lediglich zu veröden (Sklerosierung) oder mit der sogenannten Gummibandligatur zu behandeln, wobei man das Gewebe mit kleinen Gummiringen abschnürt. Die Basistherapie ist laut Dr. Strittmatter in jedem Fall eine Ernährungsumstellung auf eine möglichst ballaststoffreiche Kost. Außerdem gelte es, sowohl Durchfall als auch Verstopfung zu vermeiden und beim Stuhlgang niemals zu pressen.