Ist der Flüssig-Pap-Test besser oder überflüssig?

Der Vorteil der Dünnschichtzytologie: Im Labor werden Verunreinigungen aus der Flüssigkeit entfernt, bevor die Zellen unters Mikroskop kommen. (Foto: WavebreakmediaMicro / Fotolia)
Der Vorteil der Dünnschichtzytologie: Im Labor werden Verunreinigungen aus der Flüssigkeit entfernt, bevor die Zellen unters Mikroskop kommen. (Foto: WavebreakmediaMicro / Fotolia)

Mit der Dünnschichtzytologie auf der Spur des Gebärmutterhalskrebses

(dbp/auh) Zur jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung für Frauen ab 20 Jahren gehört auch immer ein Abstrich von Gebärmutterhals (Zervix) und Muttermund (Portio). Dieser Pap-Test, benannt nach seinem Urheber George Papanicolaou, ist laut Krebsinformationsdienst das wichtigste Instrument zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

In manchen gynäkologischen Praxen wird daneben ein Testverfahren angeboten, das bisher in Deutschland nicht von den gesetzlichen Kassen bezahlt wird: die Dünnschichtzytologie (Flüssigzytologie). Dabei handelt es sich um eine Variante des herkömmlichen Tests.

Flüssigzytologie macht Zellen deutlicher sichtbar

Beim Abstrich spürt die Patientin keinen Unterschied. Auch der Befund wird am Ende nach den gleichen Kategorien erstellt wie üblich: von Pap I (alles normal) bis Pap V (Krebszellen zu sehen). Doch das Zellmaterial wird nach der Entnahme ganz anders aufbereitet. Statt die Schleimhautprobe auf einem Objektträger zu fixieren, wird sie in einen Behälter mit Flüssigkeit gegeben und ordentlich durchgeschüttelt. Dadurch werden Verunreinigungen von den Zellen getrennt, die dann als dünner Film auf einen Objektträger gezogen werden. Bei der anschließenden mikroskopischen Betrachtung lassen sich Zellveränderungen klarer erkennen.

Aber heißt das, dass die Dünnschichtzytologie dem herkömmlichen Test vorzuziehen ist? Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen kommt in seinem IGeL-Monitor zu keiner klaren Bewertung. Der Gemeinsame Bundesausschuss, der über die Kassenleistungen entscheidet, findet ebenso wie der Berufsverband der Frauenärzte (BVF): nein. „Wenn die Krebsfrüherkennungsuntersuchung regelmäßig jährlich durchgeführt wird, ist ein zusätzlicher Test überflüssig“, erklärt der Präsident des BVF, Dr. Christian Albring. Knapp 50 Prozent aller Frauen nutzen dieses Angebot jedes Jahr.

Die Arbeitsgemeinschaft zytologisch tätiger Ärzte Deutschland (AZÄD) hingegen empfiehlt die Aufnahme des Verfahrens in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Die AZÄD verweist darauf, dass in Ländern, die überwiegend auf flüssigkeitsbasierte Zytologie umgestellt haben, die Gebärmutterhalskrebsrate niedriger sei als in Deutschland.

Bei Verdacht kein zweiter Abstrich nötig

Aus Sicht des Kölner Facharztes für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Wolf Dieter Fiessler, kann die Flüssigzytologie von Vorteil sein: Bei einem auffälligen Befund ermöglicht sie weitere Untersuchungen aus derselben Probe, um die Diagnose präziser festlegen zu können. Um zum Beispiel festzustellen, ob die Patientin mit bestimmten Viren (HPV) infiziert ist, die fast immer die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen verursachen, muss kein zweiter Abstrich durchgeführt und die Patientin nicht erneut einbestellt werden.

Dr. Fiessler ist Mitglied im Vorstand der GenoGyn, einer Genossenschaft von niedergelassenen Frauenärzten. Seiner Erfahrung nach kann der Dünnschicht-Test Patientinnen mehr Sicherheit bieten, unter anderem weil Nachteile des konventionellen Verfahrens wie Zellüberlagerungen, die zu schwerer beurteilbaren Abstrichen führen können, vermieden werden.

Wie bei jeder IGeL-Leistung bleibt es letztlich der Patientin selbst überlassen, wie sie sich entscheidet und ob sie bereit ist, die Mehrkosten zu tragen. Im Fall der Dünnschichtzytologie sind das rund 50 Euro.

Autor:

Ähnliche Beiträge

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4914540
Kategorie(n):
Schlagwort(e):
, , ,
Quellenangaben:
Gespräch mit Dr. Wolf Dieter Fiessler, GenoGyn, geführt am 14.09.2012; Online-Informationen des Krebsinformationsdienstes, www.krebsinformation.de; Anne Bäurle: "Gebärmutterhalskrebs – wie gut ist die Früherkennung?", in: Einblick, Nr. 1 - 2012, Herausgegeben vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in der Helmholtz-Gemeinschaft; Arbeitsgemeinschaft zytologisch tätiger Ärzte in Deutschland (AZÄD) in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP), der Deutschen Gesellschaft für Zytologie (DGZ), der Arbeitsgemeinschaft für Zytopathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) und dem Berufsverband der zytologisch tätigen Akademiker Deutschlands (BEZAD): „Zervixkarzinom-Früherkennung: Verfahren zur Früherkennung des Zervixkarzinoms auf dem Prüfstand“, in: FRAUENARZT, 52 (2011) S.746 ff