Individuell und interdisziplinär

Die Physiotherapie nach Schlaganfall ist ein Baustein im Gesamtkonzept der Rehabilitation. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Die Physiotherapie nach Schlaganfall ist ein Baustein im Gesamtkonzept der Rehabilitation. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Die Rehabilitation nach Schlaganfall muss Psyche und Körper berücksichtigen

(dbp/auh) Nach einem Schlaganfall ist nichts mehr wie es war. Es sind nicht nur die körperlichen Einschränkungen, die bei etwa 30 Prozent der Patienten zu bleibenden Behinderungen führen, die buchstäblich an den Nerven zehren. Mindestens jeder vierte Schlaganfallpatient leidet an einer Depression.

Genau erforscht ist der Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen noch nicht, dennoch gelten sowohl mentaler Stress als auch die Depression als eigenständige Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Und wer vorher noch nicht depressiv war, kann es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit danach werden, es gibt sogar einen eigenen Fachbegriff für die Depression nach Schlaganfall: „post-stroke depression“ (PSD).

Zusammenhang Depression und Schlaganfall

Psyche und Motorik hängen eng zusammen. Bei einer placebokontrollierten französischen Studie aus dem Jahr 2011 mit mehr als 100 halbseitig gelähmten Schlaganfallpatienten kam heraus, dass ein medikamentös verabreichtes Antidepressivum die Beweglichkeit verbessert. Das Medikament (Fluoxetin) plus Physiotherapie erzielte nach drei Monaten deutlich bessere Ergebnisse als die Physiotherapie plus Placebo. Am Ende der kombinierten Therapie war ein Drittel der Teilnehmer weitgehend selbstständig, aber nur jeder Neunte aus der „Placebogruppe“.

Die Rehabilitation stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. Neurologen und Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden, Psychotherapeuten und Ernährungsberater: Je nach Befund und Bedarf arbeiten Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen zusammen. Welche Therapieformen eingesetzt werden, hängt ab von Art und Schwere der Störungen, vom Alter und auch vom Beruf des Patienten. Im Idealfall legt der behandelnde Arzt einen individuell auf den Patienten zugeschnittenen Behandlungsplan fest, der dann im Verlauf der Reha immer wieder neu angepasst wird.

Beispiel: das Bobath-Konzept

Ein Beispiel für eine klassische, interdisziplinäre Therapieform bei motorischen Störungen ist das Bobath-Konzept. Benannt ist es nach der gebürtigen Berlinerin Berta Bobath, die das bewegungstherapeutische Konzept gemeinsam mit ihrem Ehemann im Londoner Exil in den 1940-er Jahren entwickelte. Das Kompetenznetz Schlaganfall an der Charité erläutert die Grundlagen der Therapie:

Bobath ist keine Technik, sondern ein „problemlösender Ansatz zur Befundung und Behandlung von Personen mit Störungen von Funktion, Bewegung und Muskeltonus, verursacht durch eine Läsion des Zentralen Nervensystems (ZNS)“.

Der Behandlungsansatz berücksichtigt die individuelle körperliche, soziale, emotionale und berufliche Situation des Menschen, das ganze Lebensumfeld wird mit einbezogen: Nicht nur sämtliche Ärzte und Therapeuten, auch die Angehörigen arbeiten mit. Der Patient soll mit seinen Einschränkungen eine maximale Selbstständigkeit erreichen, um seinen Alltag bewältigen zu können.

Eine zertifizierte Weiterbildung zum Bobath-Therapeuten dürfen Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden machen. Eine Liste mit Therapeuten finden Interessierte auf der Internetseite www.bobath-vereinigung.de.