In vier Phasen zur Abstinenz

„Riskantes Trinkverhalten“ nennen Suchtexperten, was fast zehn Millionen Deutsche tun: zu viel Alkohol trinken. (Foto: Knut Wiarda / Fotolia)
„Riskantes Trinkverhalten“ nennen Suchtexperten, was fast zehn Millionen Deutsche tun: zu viel Alkohol trinken. (Foto: Knut Wiarda / Fotolia)

Wie die Therapie der Alkoholabhängigkeit aussieht, ist individuell sehr verschieden

(dbp/auh) Seit 1968 ist Alkoholismus in Deutschland eine sozialrechtlich anerkannte Krankheit. Versicherte haben also einen Anspruch auf Behandlung. Wie sieht die Therapie der Alkoholabhängigkeit aus?

Der Ablauf einer Abhängigkeitsbehandlung wird nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) modellhaft in vier Phasen gegliedert: Kontakt, Entgiftung, Entwöhnung und Nachsorge. Die vier Abschnitte sind nicht immer scharf voneinander getrennt und können nach Rückfällen erneut durchlaufen werden.

Die Kontaktphase

Voraussetzung für eine Therapie ist die Erkenntnis des Betroffenen, dass professionelle Unterstützung nötig ist. Kein Süchtiger kann gegen seinen Willen erfolgreich therapiert werden. Das gilt für jede Sucht. Man kann niemanden zwingen, sich von seiner Abhängigkeit zu befreien. Erst wenn der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung größer ist als das Verlangen nach der Droge, öffnet sich ein Ausweg aus dem Teufelskreis.

Oft ist es Scham, die den Kranken davon abhält, sich zu offenbaren. Anders als Nikotinsüchtige, die sich offen über ihre mehr oder weniger erfolgreichen Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören, austauschen, sind Alkoholiker unsichtbar. An wen können sie sich wenden? Es gibt bundesweit mehr als 1.800 ambulante Suchtberatungsstellen und 800 stationäre Suchthilfeeinrichtungen. Die DHS hat im Internet eine Online-Suche zur Verfügung gestellt, die unter www.dhs.de/einrichtungssuche/online-suche.html erreichbar ist.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterhält verschiedene telefonische Infodienste. Das BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung hat die Telefonnummer 02 21 – 89 20 31. Diese Rufnummer ist erreichbar Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr sowie Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Das Infotelefon setzt seinen Schwerpunkt in der Suchtvorbeugung, nicht in der individuellen Beratung. Die Mitarbeiter des Infotelefons vermitteln aber gerne Adressen und Telefonnummern von lokalen Hilfsangeboten und Suchtberatungsstellen.

Die Entgiftungsphase

Der Alkoholentzug (Entgiftung) kann genau wie die anschließende Entwöhnung entweder ambulant oder stationär erfolgen. In der Regel – so die DHS – ist eine stationäre Behandlung die richtige Wahl, insbesondere bei sehr hohem Konsum, bei schlechtem Allgemeinzustand, wenn soziale Unterstützung fehlt oder wenn es bereits gescheiterte ambulante Entgiftungsversuche gab. Der Entzug kann zwischen zwei und vier Wochen dauern.

Die Entwöhnungsphase

Stationäre Entwöhnungsbehandlungen werden meist in spezialisierten Fachkliniken durchgeführt. Dazu verlassen die Patienten für eine befristete Zeit ein meist belastendes Umfeld und belastende Lebenssituationen. Im Idealfall werden durch die Distanz und die therapeutische Atmosphäre die gewünschten Veränderungsprozesse im Verhalten ermöglicht.

Nachteilig sind laut DHS der „fragliche Erkenntnistransfer auf die Alltagssituation“ und die im Vergleich zur ambulanten Entwöhnung höheren Kosten. Betrachtet man lediglich die Rückfall- und Abbruchquoten, so ist die stationäre Behandlung vorzuziehen.

Die Nachsorge

Um die Abstinenz langfristig zu sichern, rät die DHS zum Besuch einer Selbsthilfegruppe. Auch eine psychotherapeutische Unterstützung kann hilfreich sein.