In Deutschland gilt die Entscheidungslösung

Der Wille für oder gegen eine Organspende und/oder eine Gewebespende sollte im Organspende-Ausweis dokumentiert werden. (Foto: Fotolia / PhotoSG)
Der Wille für oder gegen eine Organspende und/oder eine Gewebespende sollte im Organspende-Ausweis dokumentiert werden. (Foto: Fotolia / PhotoSG)

Der Organspende-Ausweis dokumentiert den Patientenwillen.

(iwg/fru) Eine große Mehrheit der Deutschen steht einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber und immer mehr besitzen einen Organspendeausweis. „Etwa 9 500 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf dem Portal www.organspende-info.de. Die meisten von ihnen warten auf eine Spenderniere. Im Jahr 2018 gab es bundesweit 955 Organspenden. Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Menschen für oder gegen eine Organ- und Gewebespende entscheiden.

Zustimmung notwendig

Wie auch immer man sich entscheidet, Hauptsache man trifft überhaupt eine Entscheidung und dokumentiert diese am besten im Organspende-Ausweis. Organe und Gewebe dürfen in Deutschland nur dann nach dem Tod entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten zugestimmt hat. Das heißt, hierzulande gilt die Entscheidungslösung. „Liegt keine Entscheidung vor, werden die Angehörigen nach einer Entscheidung gefragt“, erklärt die BZgA. Und damit sind viele Angehörige schlichtweg überfordert. Auch für Ärzte ist es nicht leicht, den verzweifelten Menschen die Hirntoddiagnose ihres geliebten Verwandten zu überbringen und gleichzeitig die Einwilligung zur Organentnahme zu erbitten. Doch ihnen bleibt nichts anderes übrig, wenn es keinen dokumentierten Willen gibt.

Im Ausland gelten übrigens teilweise andere gesetzliche Regelungen als in Deutschland. Weit verbreitet sind die (erweiterte) Zustimmungslösung und die Widerspruchslösung. Verstirbt eine Person im Ausland, so greift die Regelung des jeweiligen Landes, nicht die des Heimatlandes. Deshalb ist es ratsam, sich vor einem Auslandsaufenthalt über die dort geltende Regelung zu informieren.

Patient hat mehrere Optionen

Hierzulande hat man anhand des Organspende-Ausweises mehrere Möglichkeiten, seinen Willen zu dokumentieren, denn man kann nicht nur „ja“ oder „nein“ ankreuzen. Es gibt fünf alternative Möglichkeiten der Willenserklärung:

  1. Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden.

Transplantierbare Organe sind in diesem Zusammenhang Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Als transplantierbare Gewebe kommen Augenhornhaut, Herzklappe, Blutgefäße, Hautgewebe, Knochen, Weichteilgewebe und Inselzellen infrage.

  1. Ja, ich gestatte dies, mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe:

Hier kann man eintragen, welche Organe und Gewebe explizit nicht entnommen werden dürfen.

  1. Ja, ich gestatte dies, jedoch nur für folgende Organe/Gewebe:

Hier könnte man die Organe und Gewebe eintragen, die ausschließlich gespendet werden sollen.

  1. Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben.

Wenn diese Zeile angekreuzt wird, ist klar, dass keinerlei Organe und Gewebe entnommen werden dürfen.

  1. Über Ja oder Nein soll dann folgende Person entscheiden:

Mit Ankreuzen dieser Zeile überträgt man die Entscheidungsgewalt auf eine andere Person. Name und Anschrift der ausgewählten Person sollten hinterlegt werden und diese Person sollte auch darüber informiert werden.

Am 1. April 2019 ist eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, wonach laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Krankenhäuser mehr Zeit und Geld für Organtransplantationen bekommen sollen. Damit soll die Zahl der Organspenden weiter erhöht und so noch mehr Menschenleben gerettet werden.