Implantate – fast wie die eigenen Zähne

Die künstliche Wurzel des Implantats stimuliert beim Kauen das darunterliegende Knochengewebe und schützt so vor Knochenabbau. (Foto: mitya / Fotolia)
Die künstliche Wurzel des Implantats stimuliert beim Kauen das darunterliegende Knochengewebe und schützt so vor Knochenabbau. (Foto: mitya / Fotolia)

Der hochwertige Zahnersatz hat viele medizinische Vorteile.

(dbp/auh) Zahnerhaltung ist die oberste Maxime der Zahnheilkunde. Durch die modernen Techniken der Wurzelbehandlung können heute viele Zähne „gerettet“ werden, die früher gezogen worden wären. Doch Zahnlücken entstehen natürlich trotzdem noch, und dann stellt sich immer öfter die Frage: Darf’s ein Implantat sein?

Denn die Versorgung mit Implantaten ist kein Privileg der Besserverdienenden mehr. Zwar bleibt ein Implantat im Vergleich zu einer Brücke in den meisten Fällen die teurere Variante. Aber seit der Einführung des Festzuschuss-Systems für Zahnersatz im Jahr 2005 bekommen auch die gesetzlich Versicherten einen Zuschuss bei Implantaten – genauer gesagt für den Implantat-Aufbau, die sogenannte Suprakonstruktion.

Mit der größeren Wahlfreiheit beim Zahnersatz gerieten die Vorteile von Implantaten in das Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich setzen Zahnärzte in Deutschland mittlerweile mehr als eine Million Implantate pro Jahr, Tendenz steigend.

Gesunde Zähne bleiben unangetastet

Der größte medizinische Vorteil von implantatgestütztem Zahnersatz ist die vollständige Erhaltung der Nachbarzähne. Um eine Brücke zu verankern, müssen die Zähne an beiden Seiten der Lücke stark beschliffen werden, auch wenn sie völlig gesund sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Das Implantat wirkt dem drohenden Knochenabbau bei Zahnverlust entgegen. Geht der Zahn, geht nämlich auch der Knochen. Durch die „künstliche Wurzel“ des Implantats werden beim Kauen und Abbeißen auch weiterhin die Reize ausgeübt, die das Knochengewebe benötigt, um nicht zu verkümmern.

Für wen ist ein Implantat nicht geeignet?

Bei Kindern und Jugendlichen werden keine Implantate gesetzt, da ihr Kiefer noch im Wachstum ist. Bei Erwachsenen gibt es nach oben quasi keine Altersgrenze, aber es gibt andere mögliche Ausschlusskriterien, die im Hinblick auf die Versorgung mit Zahnersatz individuell sehr unterschiedlich zu bewerten sind.

Die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (Marcumar) sowie schwere Stoffwechsel- und Immunkrankheiten können gegen das Setzen von Implantaten sprechen. Bei Diabetes und Osteoporose kommt es auf die Schwere der Erkrankung an, ob sie eine Kontraindikation darstellen oder nicht. Starkes Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder schlampige Mundhygiene sind Risikofaktoren, die ein zukünftiger Implantatträger auf jeden Fall abstellen sollte.

Albtraum Kiefernekrose

Für Krebspatienten, die eine Chemotherapie bekommen, gelten aus anderen Gründen Einschränkungen. Bei bestimmten Tumorarten mit Knochenmetastasen werden nämlich häufig Medikamente verordnet, die das Risiko für eine schwer zu behandelnde Kiefernekrose erhöhen. Eine Kiefernekrose (Verlust des Kieferknochens und des darüberliegenden Zahnfleischs) ist ein regelrechter Albtraum – sowohl für den Zahnarzt als auch für den Patienten. Deshalb sollte jeder, der hoch dosierte Bisphosphonate, Denosumab oder Bevacizumab einnehmen muss oder musste, regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolle.