Immer schön aufrecht

Eine aufrechte Haltung entlastet die Wirbelsäule. (Foto: auremar / Fotolia)
Eine aufrechte Haltung entlastet die Wirbelsäule. (Foto: auremar / Fotolia)

Mit der richtigen Haltung und mehr Bewegung kann jeder seinen Rücken stärken

(dbp/auh) Irgendwann trifft es (fast) jeden: Rückenschmerzen machen sich auf verschiedene Weise bemerkbar, mal aus heiterem Himmel wie beim Hexenschuss, mal schleichend mit Verspannungen im Nacken- oder Lendenwirbelbereich. Doch Rückenschmerzen sind kein unausweichliches Schicksal und auch keine natürliche Alterserscheinung. Mit einem gezielten, konstanten Bewegungstraining und einer rückenfreundlichen Haltung im Alltag kann jeder seinen Rücken stärken.

Bewegungsmangel und Fehlhaltungen sind die Hauptgründe dafür, warum Rückenschmerzen zur Volkskrankheit geworden sind. Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers sind nicht für das Sitztier gemacht, das aus uns geworden ist. Der durchschnittliche Stadtmensch geht heute etwa 500 Meter zu Fuß, vor hundert Jahren lag das tägliche Laufpensum bei 10 bis 20 Kilometern. Unter Bewegungsmangel leidet der ganze Organismus, aber auf die Wirbelsäule hat dieses „Laster“ ganz besonders gravierende Auswirkungen, erläutert Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga: Untrainierte Muskeln werden schwach und verlieren ihre stützende Funktion für das Rückgrat. Auch die Bandscheiben verlieren an Höhe, denn nur in Bewegung können sie optimal mit Nährstoffen versorgt werden.

Gerade stehen beim Zähneputzen

In seinem jüngsten Buch „Endlich schmerzfrei! Neue Strategien gegen Rückenschmerzen“ beschreibt der Orthopäde nicht nur innovative Behandlungsmethoden, sondern gibt auch praktische Tipps für einen rückenfreundlichen Alltag. „Fehlhaltungen schleichen sich schnell in den Tagesrhythmus ein“, warnt der Münchner Schmerztherapeut. Ob beim Zähneputzen oder Duschen, beim Schuhe zubinden oder Autofahren: Bei jedem Bewegungsablauf gilt es laut Schneiderhan, auf die richtige, nämlich eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Das heißt: Rücken gerade aufrichten, weder ins Hohlkreuz fallen noch einen Rundrücken machen. Wer sich zum Beispiel beim Zähneputzen regelmäßig mit dem Kopf nach vorn über das Waschbecken beugt, riskiert Muskelverkrampfungen, weil sich die natürliche Form der Halswirbelsäule verändert.

Sogar nach Feierabend auf dem Sofa könne man seinen Rücken stärken, wenn man nur die richtige Haltung einnimmt: Flach auf dem Rücken liegen, die Unterschenkel in einem 90-Grad-Winkel auf mehreren Kissen platzieren. Um beim Lesen den unteren Rücken zu stärken, die Beine immer mal wieder ein paar Zentimeter vom Kissen erheben und für ein paar Sekunden selbstständig das Gleichgewicht halten.

Yoga und Pilates kräftigen die Tiefenmuskulatur

Über diese kleinen Verhaltensänderungen hinaus könne man durch „gezieltes und konstantes Bewegungstraining“ viel für seine Rückengesundheit tun, so Schneiderhan. Generell gilt: Das eine richtige Training für alle gibt es nicht. „Es ist von grundlegender Bedeutung, dass jeder für sich selbst erarbeitet, was ihm eine bestmögliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit bringt“, betont der Experte.

Wer bereits unter Rückenschmerzen leidet, sollte zunächst fachärztlich abklären lassen, ob möglicherweise bestimmte Sportarten nicht infrage kommen. Schneiderhan empfiehlt in seinem Buch sanfte Sportarten, die einen intensiven Trainingseffekt auf die Tiefenmuskulatur haben, zum Beispiel Yoga und Pilates.

  • Weitere Informationen:

Reinhard Schneiderhan: „Endlich schmerzfrei! Neue Strategien gegen Rückenschmerzen“, Klaus Oberbeil Verlag 2013