Im Urlaub Kraft tanken für den Pflegealltag

Ruhe und Entspannung finden Gäste im Kurpark Bad Salzuflen. (Foto: Oliver Franke / Tourismus NRW)
Ruhe und Entspannung finden Gäste im Kurpark Bad Salzuflen. (Foto: Oliver Franke / Tourismus NRW)

Stiftungsgelder ermöglichen Geringverdienern ganzheitlichen Kuraufenthalt

(dbp/auh) Viele pflegende Angehörige zögern zu lange, bevor sie sich eine Auszeit von der Pflege gönnen. Die Leistungen der Pflegeversicherung für die Kurzzeit- oder die Verhinderungspflege werden laut Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) nur von wenigen genutzt. Der „Urlaub von der Pflege“ ist aber wichtig, damit die Pflegenden nicht selbst krank werden. Laut ZQP leidet mehr als die Hälfte der Angehörigen an schmerzhaften Muskelverspannungen. Ein Fünftel der Pflegenden Angehörigen zeige depressive Symptome, auch Schlafstörungen seien häufig.

„Ich kann doch nicht weg“

Nach Einschätzung des ZQP ist der Hauptgrund dafür, warum sich nur wenige pflegende Angehörige Erholungsphasen gönnen, die Unkenntnis über die bestehenden Entlastungsmöglichkeiten. „Ich kann doch nicht weg“, sagen viele Angehörige, wenn sie darauf angesprochen werden. Was sie häufig damit meinen: Ich kann meinen pflegebedürftigen Angehörigen nicht allein lassen, er braucht mich. Er lässt sich nicht von einer fremden Person waschen, anziehen oder füttern. Er muss mich um sich haben.

Es handelt sich also in vielen Fällen um psychosoziale Faktoren, die Angehörige davon abhalten, sich die notwenige Verschnaufpause zu verschaffen. Die Lösung für ein solches Problem wäre ein gemeinsamer Urlaub mit dem Pflegebedürftigen. Dabei müsste auf der einen Seite die emotionale Bindung und das Bedürfnis nach Nähe berücksichtigt werden, auf der anderen Seite aber muss die Pflegeperson von allem Belastenden befreit werden, damit sie sich wirklich erholen kann.

Angebote von Kirchen und Vereinen

Solche Urlaubsangebote gibt es. Auf die besonderen Anforderungen von pflegebedürftigen Gästen richten mittlerweile viele Einrichtungen ihr Angebot aus. Auch von Wohlfahrtsverbänden und Kirchengemeinden werden entsprechende Reisen veranstaltet. „So können Pflegepersonen und ihre Angehörigen Freizeitaktivitäten oder ein Wellnessangebot je nach Bedürfnis getrennt oder gemeinsam genießen. Im Blick zu haben, wie es ihrem Angehörigen geht, hilft vielen pflegenden Angehörigen, besser ausspannen zu können“, sagt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Das hört sich gut an, funktioniert aber nur in Familien, die sich einen Urlaub auch finanziell leisten können. „Während für den Pflegebedürftigen zumindest die anfallenden Pflegekosten in der Regel von Kassen erstattet werden, muss der begleitende Urlaubsgast seine Unterkunft und Verpflegung selbst übernehmen“, so der Verein „Sankt Raphael – Werte leben“ aus Bad Salzuflen, der den Pflegeurlaub „Fit für den Alltag“ anbietet. Dabei handelt es sich um ein ganzheitlich orientiertes Präventionsprogramm, für das Geringverdiener eine hundertprozentige Förderung aus Mitteln der „Dr. med. Heide Paul-Toebelmann Stiftung“ bekommen können.

Das Erholungsprogramm (www.pflegeurlaub-fit-fuer-den-alltag.de) wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz entwickelt. Es sieht tägliche Wohlfühl- und Entspannungseinheiten mit Achtsamkeitsübungen, meditativer Musik und sanftem Qigong-Bewegungstraining vor. So soll es chronischen Erkrankungen und Erschöpfungszuständen vorbeugen. Der Urlaub kann in einem der drei Heilbäder Bad Salzuflen, Horn-Bad Meinberg oder Bad Driburg gebucht werden.