Im Schlaf von der Kurzsichtigkeit „geheilt“

Spezielle Kontaktlinsen, die im Schlaf getragen werden, können über Nacht bestimmte Formen der Kurzsichtigkeit korrigieren. (Foto: Bernhard Richter / Fotolia)
Spezielle Kontaktlinsen, die im Schlaf getragen werden, können über Nacht bestimmte Formen der Kurzsichtigkeit korrigieren. (Foto: Bernhard Richter / Fotolia)

Spezielle Kontaktlinsen, die nachts getragen werden, machen tagsüber Sehhilfen überflüssig

(dbp/auh) „Es ist wie ein neues Leben“, fasst Holger S. seine Erfahrung mit den orthokeratologischen Kontaktlinsen zusammen. Seit zwei Monaten trägt der 34-Jährige jede Nacht diese speziellen Linsen, die seine Hornhaut im Schlaf modulieren. Nach dem Aufstehen nimmt er sie heraus und kann dann den ganzen Tag über scharf sehen. Sogar viel besser, als früher mit seiner ungeliebten Brille.

Holger S. ist nämlich eigentlich kurzsichtig und müsste mit seinen Dioptrie-Werten von minus 1,5 auf dem rechten und minus 2 auf dem linken Auge normalerweise ständig eine Sehhilfe tragen. Das hat er auch jahrelang getan, aber stets mit Widerwillen. „Ich bin einfach kein Brillentyp“, betont er und fügt gleich hinzu, dass er auch eine Abneigung gegen Kontaktlinsen hatte.

Linsen modulieren die Hornhaut im Schlaf

Doch seine Hemmungen, sich in die Augen zu fassen, hat Holger S. nach einigen Tagen der schwierigen Eingewöhnung überwunden. Mittlerweile ist er routiniert darin, die Nachtlinsen mithilfe eines kleinen Saugers abends in die Augen zu setzen und morgens wieder zu lösen. Im Unterschied zu „normalen“ Kontaktlinsen müssen die Schlaflinsen direkt auf die Pupille gesetzt werden, da sie nicht auf dem Tränenfilm hin- und herschwimmen, sondern fest aufsitzen. Nur so funktioniert die Korrektur der Kurzsichtigkeit: Durch den nächtlichen Druck verändert die Hornhaut ihre Form in der gewünschten, vorab genau errechneten Weise.

Engmaschige Kontrollen beim Spezialisten

Deshalb stellt die individuelle Anpassung der orthokeratologischen Linsen besonders hohe Anforderungen an Kenntnisse und Geräteausstattung (Videotopograph) des Kontaktlinsenspezialisten. Er muss viel Erfahrung mit formstabilen Kontaktlinsen haben und sich mit der Methodik der Orthokeratologie gut auskennen. Darüber hinaus ist eine intensive und engmaschige Kontrolle des Linsenträgers erforderlich.

Für Holger S. hat sich der Aufwand gelohnt, er macht nur zwei kleine Einschränkungen bei seiner ansonsten rundweg positiven Bilanz: Zu Beginn hatte er beim morgendlichen Lesen am Bildschirm Schwierigkeiten beim Scharfsehen und auch nach der Eingewöhnung sieht er im Dunkeln immer noch eine Art Heiligenschein um Lichtquellen herum. Und die Kosten? Immerhin 60 Euro pro Monat inklusive aller Kontrolluntersuchungen und Pflegeprodukte zahlt der junge Mann für die Brillenfreiheit. „Das ist ne Menge Geld, aber das Plus an Lebensqualität wiegt den Preis auf“, resümiert der Sportjournalist.

Bei Holger S. hat einfach alles gepasst. Er brachte genau die Voraussetzungen mit, die potenzielle Interessenten für orthokeratologische Linsen brauchen: eine nur schwache bis mittlere Kurzsichtigkeit, ansonsten gesunde Augen und vor allem eine starke Motivation, ohne Sehhilfe leben zu wollen, dabei Vorbehalte gegen eine Laser-Operation. Hinzukommen müssen aber bestimmte Eigenschaften der Hornhaut, die nur der Experte ermitteln kann.