Im Schlaf passiert mehr, als man denkt

Ungestörter Schlaf ist eine Wohltat. (Foto: Johan Larson / Fotolia)
Ungestörter Schlaf ist eine Wohltat. (Foto: Johan Larson / Fotolia)

Die nächtlichen physiologischen Prozesse betreffen nahezu alle Körperfunktionen

(dbp/auh) Der Schlaf ist ein Mysterium. Schlafforscher und -mediziner haben zwar mittlerweile mithilfe moderner Methoden alle messbaren Körperreaktionen in den verschiedenen Schlafphasen ermittelt und können detailliert beschreiben, was im Schlaf passiert. Aber warum schlafen wir? Über die Funktion des Schlafs gibt es immer noch lediglich Hypothesen. Doch die fundamentale Bedeutung des Schlafs für die Gesundheit ist unbestritten.

In einem Beitrag für das Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ schreibt der Freiburger Psychologe Professor Dieter Riemann: „Da eine exakte, naturwissenschaftlichen Kriterien genügende Erklärung zur Funktion des Schlafes bisher noch nicht gelang, muss man sich vorerst mit der Alltagsweisheit begnügen: Schlaf ist das beste Mittel gegen Müdigkeit.“

Schlaf ist überlebenswichtig

Doch selbst die Hypothese, dass der Schlaf der (körperlichen) Erholung dient, ist in der Fachwelt nicht unumstritten. Als wissenschaftlich gesichert gilt, dass der Schlaf das Lernen und die Gedächtnisleistung optimiert. Fest steht auch: Schlaf ist lebenswichtig. Zwar ist das Schlafbedürfnis individuell verschieden ausgeprägt, aber ganz ohne Schlaf kann niemand überleben. Die vielfältigen physiologischen Prozesse, die im Schlaf ablaufen, betreffen alle Körperfunktionen: das Herz-Kreislauf-System, die Wärmeregulation, das Hormon- und Immunsystem, die Verdauung, Gehirn und Nerven.

Schlafstörungen gefährden die Gesundheit

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Bedeutung des Schlafs für die Gesamtgesundheit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Schlafstörungen sind nicht nur lästig, sondern können gefährlich werden. „Ist der Schlaf gestört, führt dies nicht nur zu einer Beeinträchtigung der Befindlichkeit, sondern es kann auch fatale Folgen haben, sowohl unmittelbar als auch langfristig. Hierzu gehören Leistungsminderungen, Unfälle, chronische körperliche und psychische Erkrankungen“, warnt Schlafforscher Professor Jürgen Zulley in der Broschüre „Gesunder und gestörter Schlaf“, herausgegeben von der Barmer GEK.

Manche Schlafstörungen werden vom Patienten selbst zunächst gar nicht wahrgenommen, müssten aber dringend behandelt werden. Dazu gehört die Schlafapnoe, das sind nächtliche Atemaussetzer, die von einer Muskelschwäche im Rachenraum herbeigeführt werden.

Andere Schlafstörungen wiederum sind aus medizinischer Sicht nicht problematisch, sondern eigentlich nur Abweichungen von der Norm, zum Beispiel das „Syndrom der verzögerten Schlafphase“ (DSPS für Delayed Sleep Phase Syndrome). Das betrifft Menschen, die erst in den frühen Morgenstunden müde werden und dann – wenn man sie lässt – bis mittags schlafen. Die beste Lösung wäre, wenn diese Menschen eine sozial verträgliche Möglichkeit finden, ihrer eigenwilligen inneren Uhr gemäß zu leben. Ist das nicht möglich, sind psychische und körperliche Beeinträchtigungen programmiert und professionelle Hilfe (Lichttherapie, Gabe von Melatonin) nötig. Von einer Selbstmedikation, insbesondere mit Melatonin, ist allerdings dringend abzuraten.

Bei leichten Ein- und Durchschlafstörungen hilft das Einhalten von bestimmten Regeln, auch „Schlafhygiene“ genannt. Dazu gehört, dass man sich nicht stundenlang im Bett herumwälzt. Wenn man partout nicht einschlafen kann, sollte man aufstehen und sich mit einer möglichst einfachen Beschäftigung ablenken, bis die Müdigkeit wiederkommt. Viele weitere Tipps hat Professor Zulley in der erwähnten Broschüre zusammengestellt, zum Download verfügbar unter www.barmer-gek.de/543700.