„Ich bekomme viel zurück“

Ein Lächeln entschädigt für die harte Arbeit, die Altenpfleger leisten. (Foto: Melpomene / Fotolia)
Ein Lächeln entschädigt für die harte Arbeit, die Altenpfleger leisten. (Foto: Melpomene / Fotolia)

Martin Petzold arbeitet seit 36 Jahren in der stationären Altenpflege

(dbp/auh) Der Fachkräftemangel in der Altenpflege ist in ganz Deutschland ein Problem. Arbeitsmarktprognosen sagen eine weitere Zuspitzung der Lage voraus. Examinierte Altenpfleger haben also in jeder Hinsicht einen „Beruf mit Zukunft“. Doch – was machen Altenpfleger eigentlich genau?

Martin Petzold aus Springe arbeitet seit 1978 als Fachkraft für Altenpflege in Pflegeheimen. Der 57-Jährige hat eine Weiterbildung zum Fachpfleger für Gerontopsychiatrie absolviert, viele Jahre als Heimleiter gearbeitet und engagiert sich im Deutschen Berufsverband für Altenpflege, dessen zweiter Bundesvorsitzender er ist.

Nach 36 Jahren in der Altenpflege ist der vierfache Vater körperlich angeschlagen, aber immer noch ein leidenschaftlicher Verfechter der Altenpflege: „Für mich ist es einer der schönsten Berufe der Welt.“ Allerdings legt er großen Wert auf die Feststellung, dass es eben ein Beruf ist, kein „lockerer Job, sondern knochenharte Arbeit zu Zeiten, an denen andere feiern und frei haben, noch dazu unzureichend bezahlt“.

Das ist einer der Gründe, warum er nicht jedem uneingeschränkt zu der Berufswahl raten kann. Der andere: die Rahmenbedingungen, die sich seit Einführung der Pflegeversicherung verschärft haben: „Was früher zwei bis drei Pflegepersonen gemacht haben, muss jetzt einer schaffen. Wenn man sich nicht selber während des Dienstes gut strukturiert und seine Arbeit mit den verfügbaren Ressourcen organisiert, dann ist man verloren, dann droht der Burn-out“, warnt Petzold.

Täglich neue Herausforderungen

Doch ihm selbst passiert das nicht, da ist er sich sicher. Seine jahrzehntelange Erfahrung und sein persönlicher Leitspruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ bewahren ihn davor. Stets professionell zu reagieren, egal was passiert, das hat er gelernt. „Und es gibt täglich auf zwei Etagen mit je 15 Bewohnern neue Herausforderungen.“ Vielleicht ist es genau das, was für den „altgedienten“ Profi den Reiz seiner Arbeit ausmacht: Sie ist abwechslungsreich und sie fordert täglich neue „Improvisationsideen“, wie Petzold sagt: „Kein Tag ist wie der andere, insbesondere dann wenn man im Demenzbereich tätig ist. Ich brauche nicht mehr ins Theater, das habe ich täglich live vor Ort.“

Verantwortung und Vertrauen

Zu den verantwortungsvollen Tätigkeiten zählen die Medikamentengabe, deren Bestellung und Bevorratung, Behandlungspflege, Organisation von multiprofessionellen Dienstleistungen, Begleitung von Arztvisiten, Pflegeprozessplanung und Dokumentation unter Berücksichtigung der individuellen Biografie und der jeweiligen verbliebenen Ressourcen der Bewohner. Wichtig ist auch die Beratung und Betreuung der Angehörigen, damit sie wissen, „was geht und was nicht“.

Es ist ein besonderes Vertrauensverhältnis, das man in der stationären Altenpflege zu den Bewohnern aufbauen kann. Auch deshalb hat sich Petzold ganz bewusst für die Altenpflege entschieden. „Ich bekomme viel zurück“, sagt er; ein Lächeln oder ein „Schön, dass Du da bist“ – und wenn nach der Schicht die Tür zu ist, könne er sagen: „Ich habe etwas Gutes, etwas Positives geleistet“.